Inzwischen habe sich ihre Lage stabilisiert. „Mein Einkommen ist heute regelmäßiger und besser kalkulierbar als in der Schauspielerei, auch wenn die Arbeit eine ganz andere ist. Als Selbstständige habe ich viel mehr Verantwortung und Unsicherheiten, aber gleichzeitig habe ich auch mehr Kontrolle“, betont Dietel.

Der Preis dafür ist hoch. Vor allem an Wochenenden arbeitet Dietel bis zu 14 Stunden am Stück, oft ohne Hilfe. „Wenn dann viele Essen in kurzer Zeit kommen, bist du komplett überfordert, und danach musst du noch putzen und am nächsten Tag wieder weitermachen. Das ist körperlich und mental extrem anstrengend“, sagt Dietel. „Krank zu sein, kann ich mir nicht leisten, selbst wenn ich erkältet bin oder Schmerzen habe, mache ich weiter. Man funktioniert dann einfach weiter.“

Unterstützung bekomme sie von ihrem Verlobten. „Ich habe einen großartigen Partner an meiner Seite, der mich bei allem unterstützt und mir auch im Laden hilft. Er ist ein sehr sensibler und intelligenter Mensch und hat sogar seinen Job als Radiomoderator für uns aufgegeben. Das bedeutet mir sehr viel“, erzählt Dietel.

Dietel hat sich etwas aufgebaut, doch sie zeigt sich selbstkritisch. Das führt sie auf ihre Kindheit zurück. „Ich konnte nie wirklich stolz auf mich sein, weil mir das nie beigebracht wurde. Ich bin in der DDR aufgewachsen, da ging es um Disziplin und ums Funktionieren, nicht um Selbstwertgefühle“, so Dietel. Doch sie zieht daraus auch Antrieb. „Wenn mir jemand sagt, ich kann etwas nicht oder ich sei zu alt, dann will ich es erst recht beweisen“, fügt sie hinzu.

Auch so scheint Dietel nicht zur Ruhe zu kommen. „Aktuell habe ich wieder Probleme mit meiner Wohnung.“ Dort wurde ein größerer Schimmelbefall im Kinderzimmer festgestellt, der laut Gutachter auf einen baulichen Mangel im Mauerwerk zurückzuführen ist. Gleichzeitig erhielt sie eine Kündigung wegen Eigenbedarfs zum 30. Juni. Nun sucht sie dringend ein neues Zuhause für sich und ihre Familie. Sie frage sich oft, warum immer wieder neue Probleme auftauchten. „Jeder Tag ist eine Herausforderung und es ist nicht alles schön, auch wenn es von außen so wirkt. Aber man muss stark bleiben und weitermachen. Und genau das tue ich – jeden einzelnen Tag.“

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