Gangster feierten den Mann
Korrupter Staatsanwalt verurteilt – lange Haft
Aktualisiert am 20.03.2026 – 12:29 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Staatsanwalt lässt sich von einer Drogenbande bezahlen. Dafür verrät er Dienstgeheimnisse. Nun folgt vor Gericht die Quittung.
Ein Staatsanwalt ist nach Geschäften mit einer Drogenbande zu acht Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht Hannover sprach den 40-Jährigen am Freitag wegen Bestechlichkeit und Verletzung des Dienstgeheimnisses schuldig. Es sah es als erwiesen an, dass der Mann zwischen Juni 2020 und März 2021 mehrfach Ermittlungsergebnisse weitergegeben und eine Razzia verraten hatte.
Der Angeklagte hatte mit der Gefängnisstrafe gerechnet: „Dass mein Kind eine Zeit ohne seinen Vater aufwachsen wird, ist die größte Strafe“, sagte Yashar G. diesen Mittwoch, als er im Prozess die Gelegenheit zu letzten Worten hatte. „Ich habe viele Menschen enttäuscht, und das bereue ich zutiefst.“
Die Staatsanwaltschaft hatte achteinhalb Jahre gefordert, die Verteidigung acht Jahre und zwei Monate. Zuvor hatte es einen Deal der Prozessbeteiligten gegeben: Im Gegenzug zu einem Geständnis war dem Angeklagten versprochen worden, dass die Strafe ein festgelegtes Maximum nicht überschreiten würde.
Die Staatsanwaltschaft zeigte sich allerdings am Ende nicht ganz zufrieden mit dem Geständnis von G.: Es habe nur ein Mindestmaß erfüllt und sei eher taktisch gewesen, hieß es.
Der Staatsanwalt räumte neun von insgesamt 14 angeklagten Fällen ein. Jedes Mal, wenn er einer Drogenbande Ermittlungsgeheimnisse verriet, soll er dafür der Staatsanwaltschaft zufolge 5.000 Euro bekommen haben. G. selbst sprach von 2.500 Euro.
Das Motiv dafür, Geheimnisse gegen Geld zu verraten, sei Angst gewesen, erklärte die Verteidigung: Der Staatsanwalt sei unter Druck gesetzt worden, er fürchte sich noch heute vor den Mitgliedern der Drogengang. Als Staatsanwalt verdiente G. legal etwa 5.000 Euro im Monat.
G. habe dem Vertrauen in den Rechtsstaat schweren Schaden zugefügt, sagte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer. Unter anderem hatte der 40-Jährige eine Razzia verraten. Mit dem Geheimnisverrat soll er mehrere Festnahmen vereitelt haben. In Chats feierten die Mitglieder der internationalen Drogenbande den Staatsanwalt. „Guck, bei Gott, frage ich mich, in ganz Deutschland hat keiner das, was wir haben hier mit dem Typen“, zitierte das Fachmedium „Legal Tribune Online“ aus entschlüsselten Nachrichten. „Wir lieben ihn“, hieß es demnach in einer anderen Chat-Botschaft. Oder: „Der Cop will Geld, dann sagt er weitere Namen, die Haftbefehl haben.“
Hinweise auf ein Leck in den Behörden gab es schon früh. Bereits 2022 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Staatsanwalt eingeleitet, seine Wohnung und seine Diensträume wurden durchsucht. Dieses Verfahren wurde im Oktober 2023 eingestellt, weil sich der Verdacht zunächst nicht erhärtete. Im Juni 2024 wurde das Verfahren wiederaufgenommen, im April 2025 begann der Prozess.
