Reform der Alterssicherung
Kommissionsvorschläge: Rentenalter soll künftig steigen
Aktualisiert am 21.06.2026 – 14:11 UhrLesedauer: 4 Min.
Später in Rente, mehr zahlen und erstmals Politiker in der Rentenkasse: Was die Kommission für Arbeitnehmer und Beitragszahler plant – und warum Kritiker Alarm schlagen.
Die Menschen in Deutschland sollen nach Vorschlägen der Rentenkommission künftig später in den Ruhestand gehen. Das ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Teil der 30 Vorschläge, die das Gremium nach fünfeinhalb Monaten Beratungszeit am Dienstag an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben will. Auch mehrere andere Medien berichteten darüber. Zudem sollen die Beiträge steigen. Das Rentenniveau soll in Zukunft durch eine neue Kapitalrente leicht erhöht werden.
Das Rentenalter soll mit der Lebenserwartung steigen. Das würde den Berechnungen der Kommission nach bedeuten, dass Beschäftige 2041 erst mit 67,5 Jahren und 2051 mit 68 in Rente gehen könnten. Die Berechnung soll regelmäßig überprüft werden. Wegfallen soll den Empfehlungen zufolge der frühere Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren, bekannt als „Rente mit 63“. Allerdings soll es eine neue Regelung für Menschen nach belastenden Arbeitsbiografien in rentennahen Jahrgängen geben.
Erste Reaktionen: „Zu vorsichtig“, „an der Lebenswirklichkeit vorbei“
Die Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek wies die Vorschläge als „Schlag in die Magengrube“ zurück. Es werde mehr Druck auf die Menschen gemacht, anstatt „endlich ein Rentensystem anzugehen, in das alle Erwerbstätigen einzahlen“, sagte sie dem Portal „web.de“.
Enttäuscht zeigte sich der Sozialverband Deutschland. „Vor allem der Einstieg in die Kapitaldeckung macht uns Sorge“, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. „Denn Erträge aus der Kapitaldeckung an die gesetzliche Rentenversicherung sind nicht kalkulierbar.“
Verdi-Chef Frank Werneke kritisierte, trotz mancher guter Vorschläge gingen die Pläne der Kommission „im Kern an der Lebenswirklichkeit der arbeitenden Menschen vorbei“. „In sehr vielen Berufen sind die körperlichen und psychischen Belastungen so hoch, dass schon ein Renteneintrittsalter mit 67 Jahren für viele Menschen unerreichbar ist.“
Der Ökonom Marcel Fratzscher kritisierte die Vorschläge als unzureichend. „Die Reformvorschläge der Rentenkommission gehen in die richtige Richtung, bleiben jedoch insgesamt zu vorsichtig“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der „Rheinischen Post“. Ihnen fehlten „Mut und Konsequenz, denn sie ändern auf absehbare Zeit nichts Grundlegendes an den drei größten Problemen: der hohen Altersarmut, der zu starken Belastung der jungen Generation und der Schieflage bei der Gerechtigkeit“.
Zugleich sieht Fratzscher „viele kluge und richtige Elemente“, etwa die Erhöhung des Renteneintrittsalters, die Einführung einer kapitalgedeckten Rente und eine Reduzierung von Frühverrentungen.
Neue Kapitalsäule
Künftig soll laut den Vorschlägen ein Teil der Rentenbeiträge am Aktienmarkt angelegt werden. In diese beitragsfinanzierte Kapitalsäule sollen später zwei Prozent vom Bruttolohn fließen, aufwachsend von anfangs 0,5 Prozent. Davon soll je die Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern kommen.
Mit den Erträgen soll das Rentenniveau längerfristig stabilisiert werden. Bewirkt werden sollen höhere Renten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von heute, die ab 2040 in Rente gehen. Diese individuell ausgezahlte, kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Modell soll von einem Staatsfonds verwaltet werden und verpflichtend sein. Bis sie wirkt, soll es einen steuerfinanzierten sogenannten Übergangsfaktor geben, um das Absicherungsniveau der Rente übergangsweise zumindest zu stützen.
