
Treffen wegen umstrittener Pläne
Buhrufe und höhnisches Gelächter: OB Burmester unter Druck
20.01.2026 – 20:24 UhrLesedauer: 4 Min.
Kann ein neues Suchthilfezentrum gegen die Kölner Crack-Probleme helfen? In dem Veedel, in dem es entstehen soll, ist der Widerstand massiv. Anwohner verhöhnen den OB.
Bei einer Informationsveranstaltung der Stadt zu einem geplanten Suchthilfezentrum (SHZ) am Kölner Perlengraben ist es zu turbulenten Szenen gekommen. In der Aula des Berufskollegs Perlengraben versuchten Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), Sozialdezernent Harald Rau und Polizeipräsident Johannes Herrmann, die Sorgen und den Frust der Anwohner im Pantaleonsviertel zu entkräften. Doch dabei wurde das Trio von wütenden Anwohnern häufig unterbrochen.
Im Pantaleonsviertel fürchten viele Zustände wie am Neumarkt, dem aktuellen Drogenhotspot der Stadt, der viele Kölner verunsichert. OB Burmester berichtete in seiner Rede am Abend von seinen dortigen Besuchen.
„Dort haben Anwohner im Gespräch mit mir geweint“, sagte Burmester – daraufhin wurde der OB von zahlreichen Zuschauern in der Aula sarkastisch ausgelacht. Burmester dazu: „Ich bitte darum, mich ausreden zu lassen. Die Zustände am Neumarkt waren eine Erfahrung für mich, die ich nicht länger bereit bin, zu akzeptieren.“
Doch schon bald wurde der OB erneut vom Aula-Publikum verspottet, als er sagte: „Wir werden nicht mehr akzeptieren, dass im öffentlichen Raum Drogen genommen werden.“ Die versammelten Kölner konnten sich das als kaum realistisch vorstellen. Burmester sagte daraufhin: „Entschuldigung, ich bin noch nicht mal 100 Tage im Amt.“ Auch während des restlichen Verlaufs seiner Rede wurde der OB wiederholt unterbrochen.
Beim anstehenden Ratsentscheid am 5. Februar gehe es, so Burmester am Abend, zunächst nur um einen Planungsbeschluss, nicht um einen Baubeschluss. Sein Angebot daher: Die Anwohner sollen in die weiteren Planungen zum SHZ einbezogen werden. Zugleich entschuldigte sich Burmester am Abend für den Zeitpunkt der Bekanntgabe der SHZ-Pläne kurz vor Weihnachten: „Ich weiß, dieser Zeitpunkt war ungünstig.“