„Ich wurde gefoltert“

Entführte Kölnerin spricht erstmals über Haft in Syrien


09.07.2026 – 18:25 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Journalistin Eva Maria Michelmann aus Köln: Sie berichtete zuletzt aus Rojava.

Die Journalistin Eva Maria Michelmann aus Köln: Sie berichtete zuletzt aus Rojava. (Quelle: Antonius Michelmann)

Monatelang war die Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann in Syrien inhaftiert. Nach ihrer Freilassung hat sie sich nun erstmals geäußert.

Etwas müde erscheinen die Augen, die einen aus einer aufgenommenen Videobotschaft anblicken. Ansonsten lässt nichts erahnen, was die Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann in ihrer Zeit in syrischer Haft erleben musste. Am Donnerstag traten ihre Mutter, ihr Bruder sowie ihr Anwalt erstmals seit der Rückkehr der Journalistin aus Syrien vor die Öffentlichkeit.

„Die letzten Monate waren eine schwere Zeit“, schildert Rotraut Hake-Michelmann, die Mutter von Eva Maria Michelmann. „Die riesengroße Solidarität hat uns dadurch getragen, und dafür möchte ich mich bedanken. Eva Maria ist wieder in Deutschland. Eva Maria lebt!“ Ihrer Tochter gehe es den Umständen entsprechend gut. „Man weiß ja, dass die Reaktion auf solche Erlebnisse oft mit Verzögerung kommen.“

Kölnerin in Syrien entführt: Michelmann bedankt sich für Solidarität

Doch was hat Eva Maria Michelmann in Syrien erleben müssen? Aus gesundheitlichen Gründen ist sie am Nachmittag nicht selbst vor Ort. Sie müsse das Geschehene erst noch verarbeiten, wie ihr Anwalt Roland Meister erklärt. Doch Michelmann wendet sich in einem Video an die anwesenden Journalisten.

Eine Vertreterin der Organisation People Bridge, Rechtsanwalt Roland Miester und Rotraut Hake-Michelmann (v. l. n. r.): Sie sprachen erstmals nach der Rückkehr der Journalistin Eva Maria Michelmann. (Quelle: snh)

„Ich bin in Syrien seit Beginn des Jahres in Isolationshaft gehalten worden. Ich war alleine in einem fensterlosen Raum eingesperrt. Mir wurde mitgeteilt, dass niemand nach mir fragen würde, als ob die ganze Welt mich vergessen hätte“, erzählt Michelmann mit klarer, gefasster Stimme, vor einem weißen Hintergrund sitzend. Sie sei von der Außenwelt abgeschnitten worden. Über die deutschen Behörden sagte man ihr, dass diese nicht auf Anfragen nach ihrer Person antworten würden. „Ich musste davon ausgehen, dass niemand wusste, was in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar geschehen war“, erzählt die Journalistin weiter. Es war die Nacht, in der sie im syrischen Raqqa entführt wurde.

Erst zurück in Deutschland habe Michelmann erfahren, wie groß die Solidarität war, wie viele Menschen die Hoffnungen nicht aufgegeben und sich für ihre Freilassung eingesetzt haben. „Es ist sehr schön zu wissen, dass es Tausende Menschen in Deutschland gibt, die Journalisten zur Seite stehen, wenn sie verschleppt und gefoltert werden, weil ihre kritischen Beiträge von einem machthabenden Regime als bedrohlich empfunden werden“, sagt sie. Ein besonderer Dank gelte ihrer Familie und ihren Arbeitskollegen: „In den vielleicht dunkelsten Stunden, als verschleiert wurde, ob ich überhaupt noch am Leben bin, habt ihr die Hoffnung nicht aufgegeben. Danke, dass ihr so stark wart.“

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