Köhler in der Kritik – Backhaus‘ flammender Appell

Kapitän will weg

Flammender Köhler-Appell von BTSV-Trainer Backhaus


02.02.2026 – 12:32 UhrLesedauer: 3 Min.

Heiner Backhaus mit Einsatz am Spielfeldrand: Der Trainer von Eintracht Braunschweig war auf der Pressekonferenz nach dem Spiel emotional. (Quelle: IMAGO/Darius Simka/imago)

Sven Köhler will Eintracht Braunschweig verlassen – und erntet dafür Hassnachrichten. Trainer Heiner Backhaus bricht mit emotionalen Worten eine Lanze für seinen Kapitän.

Sven Köhler war am Samstag gar nicht dabei – und doch war die Situation des Kapitäns von Eintracht Braunschweig rund um das Zweitligaspiel gegen den Karlsruher SC (1:0) das bestimmende Gesprächsthema. Gerade weil er nicht dabei war.

Kritik hagelte es für den Führungsspieler der Eintracht nicht nur in den sozialen Medien, auch die Fans im Eintracht-Stadion reagierten mit einem drastischen Banner auf einen etwaigen Köhler-Wechsel zu den Grasshoppers Zürich in die Schweiz. Torhüter Ron-Thorben Hoffmann sprach auf Instagram von Hassnachrichten und Drohungen gegen den Eintracht-Profi.

Als BTSV-Trainer Heiner Backhaus bei der Pressekonferenz nach dem Spiel mehrmals auf die Köhler-Causa angesprochen wurde, holte er zu einem flammenden Appell aus. Mit der Entscheidung, den 29-Jährigen aus dem Kader für das KSC-Spiel zu nehmen, habe er den Spieler auch schützen wollen. „Ich weiß, was das mit Menschen machen kann, wenn man in der heutigen Zeit durchbeleidigt wird, ohne die Hintergründe zu kennen“, sagte er. „Davor habe ich ihn erstmal geschützt, weil wir alle Menschen sind und das etwas mit jemandem macht.“

Dass Profis für ihre Entscheidungen gerade in den sozialen Medien nicht nur kritisiert, sondern auch beleidigt und angefeindet werden, sei nicht hinnehmbar. „Wir müssen alle aus solchen Situationen lernen“, so Backhaus. „Fakt ist, – und das ist auch ein gesellschaftliches Problem –, wir haben aus Robert Enke nicht so viel gelernt. Da ist schon Stress auf dem Kessel für Menschen, wenn man nur Lack kriegt die ganze Zeit.“

Ins Visier nahm Backhaus auch das schnelllebige Denken in Extremen bei Trainerdiskussionen. „Wenn der letzte Ball ‚reingeht, schreien wieder 300 Leute: Trainer raus. Heute ist Trainer gut“, so Backhaus mit Blick auf den Pfostentreffer des KSC kurz vor Spielende. „Das muss aufhören. Das hilft der Gesellschaft nicht.“

Für die Gedankenspiele von Köhler warb der Coach trotz des ungünstigen Zeitpunkts kurz vor Ende der Transferphase um Verständnis. Grundsätzlich sei Köhler ein „überragender und ehrlicher Typ“. Und: Der Defensivspieler habe „nicht die klassische Karriere“ hinter sich und bereits fünf Millionen Euro auf dem Konto.

Aktie.
Die mobile Version verlassen