
„Nur für unter 40-Jährige“
Altersobergrenze eingeführt: Kneipe in Japan löst Debatte aus
31.01.2026 – 15:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Während Altersuntergrenzen für Bars und Clubs üblich sind, sind hingegen obere Altersgrenzen eine Seltenheit. Ein Lokal in Tokio schließt nun Ältere aus.
Eine Altersgrenze statt ausgelassener Offenheit: Eine Kneipe im Zentrum Tokios lässt Gäste über 40 Jahre nicht mehr ohne Weiteres hinein. Was die Betreiber als Anpassung an ihr junges Publikum verstehen, empfinden viele als klare Diskriminierung.
Auslöser der Debatte ist das Lokal Tori Yaro Dogenzaka, eine sogenannte Izakaya (preiswerte japanische Kneipe) in Tokios Bezirk Shibuya. Anfang 2026 hing dort laut dem Portal „Japan Today“ plötzlich ein auffälliges Schild am Eingang: „Einlass nur für Gäste zwischen 29 und 39 Jahren. Diese Izakaya ist für jüngere Generationen. Kneipe nur für unter 40-Jährige.“
Die Kneipe gehört zu einer größeren Kette, doch nur der Standort in Shibuya wendet die Altersgrenze bislang an – jedoch nicht ganz so strikt. In kleiner Schrift nennt das Schild mehrere Ausnahmen:
Hinzu kommt: Die Regel lässt sich rechtlich nicht durchsetzen. Ältere Gäste können also weiter auf einen Einlass bestehen. Laut „Japan Today“ prüft das Türpersonal, ob sich Gäste in einem „angemessenen Zustand“ befinden und zur Atmosphäre passen. Was genau damit gemeint ist, bleibt offen.
Die Kette begründet den Schritt mit dem Wunsch nach Harmonie im Lokal. Toshihiro Nagano, PR-Vertreter von Tori Yaro, erklärte „Japan Today“, die Kundschaft sei überwiegend jung. Niedrige Preise, schlichtes Design und eine laute, ausgelassene Stimmung zielten genau auf dieses Publikum. „Ältere Gäste beschweren sich häufig, dass es zu laut ist“, so Nagano. Die Altersbegrenzung solle sicherstellen, dass alle zufrieden nach Hause gehen.
Die Reaktionen darauf fallen dem Nachrichtenportal „Euronews“ zufolge gespalten aus. Im Internet begrüßen einige die klaren Zielgruppen und hoffen auf weniger Konflikte im Alltag. Andere bezeichnen die Regel als diskriminierend und warnen vor Ausgrenzung – gerade in einem Land, dessen Bevölkerung rapide altert. Ein häufig genannter Einwand: Zwischen körperlichem und geistigem Alter bestehe ein Unterschied. Nicht jeder Mensch über 40 passe automatisch nicht in ein lebhaftes Umfeld.
Ganz neu ist das Konzept mit der Altersobergrenze übrigens nicht: In Südkorea existieren seit Längerem bereits „No Seniors Zones“ (seniorenfreie Zonen). Besonders im Universitätsviertel Hongdae in Seoul weisen Clubs und Kneipen Gäste über 30 ab, teils sogar schon über 25. Laut Medienberichten nutzen auch Cafés und Sportanlagen solche Regeln, meist mit dem Argument der „passenden Atmosphäre“.