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Sonntag im TV: Clint Eastwoods emotionalster Thriller


20.08.2026 – 09:53 UhrLesedauer: 4 Min.

Kevin Costner und T. J. Lowther: Butch gibt dem Jungen väterliche Zuwendung. (Quelle: IMAGO/CAP/NFS/imago)

Dieser Thriller zeigt die ruhige Seite von Clint Eastwood als Regisseur. Die Geschichte um einen entflohenen Häftling und einen Jungen bewegt bis heute.

Clint Eastwood gehört zu den wenigen Regisseuren Hollywoods, die sich als Schauspieler und Filmemacher gleichermaßen einen Ruf gemacht haben. Mit Filmen wie „Absolute Power“ oder „Mystic River“ bewies er immer wieder, dass er komplexe moralische Fragen erzählen kann. Und das ohne dabei ins Melodramatische abzurutschen.

Sein Stil gilt als reduziert und präzise, oft mit langen Einstellungen und wenig Musik. Das lässt den Figuren Raum zum Atmen. Für sein Regiehandwerk wurde er mehrfach mit dem Oscar ausgezeichnet, unter anderem für „Erbarmungslos“ und „Million Dollar Baby“. Diese Mischung aus emotionaler Tiefe und erzählerischer Disziplin machte ihn zu einem der angesehensten Regisseure seiner Generation.

Innerhalb dieser Filmografie nimmt „Perfect World“ von 1993 eine besondere Stellung ein. Anders als in vielen seiner Filme steht hier nicht Eastwood selbst im Zentrum. Kevin Costner spielt die Hauptfigur. Statt auf klassische Spannungsdramaturgie setzt der Film auf eine leise, fast ruhige Erzählweise.

Auch das Genre irritiert auf den ersten Blick, denn „Perfect World“ bewegt sich zwischen Thriller, Drama und Roadmovie, ohne sich klar einem davon zuzuordnen. Gerade das macht den Film bis heute zu einem der interessantesten und unterschätztesten Werke in Eastwoods Filmografie.

Darum geht es in „Perfect World“

Texas, 1963: Der Häftling Butch Haynes (Kevin Costner) bricht mit einem Mitgefangenen aus einer Strafanstalt in Huntsville aus. Auf der Flucht dringt er in ein Haus ein und nimmt den achtjährigen Phillip (T. J. Lowther) als Geisel, einen Jungen aus streng religiösem Elternhaus, der bislang kaum etwas vom Leben gesehen hat. Statt der erwarteten Bedrohung entsteht zwischen den beiden eine ungewöhnliche Nähe.

Butch zeigt dem Jungen eine Welt jenseits von Regeln und Verboten. Phillip findet in ihm etwas, das er nie hatte: väterliche Zuwendung. Gemeinsam ziehen sie durch den amerikanischen Süden, immer einen Schritt vor ihren Verfolgern.

Auf ihrer Spur ist der Texas Ranger Red Garnett (Clint Eastwood), der die Jagd gemeinsam mit der Kriminologin Sally Gerber (Laura Dern) und einem FBI-Schützen aufnimmt. Doch Garnett verfolgt Butch nicht nur aus Pflichtgefühl. Zwischen ihm und dem Flüchtigen liegt eine gemeinsame Vergangenheit, die erst nach und nach ans Licht kommt.

Ein ungewöhnlicher Eintrag in Eastwoods Filmografie

Ungewöhnlich ist „Perfect World“ zunächst, weil Eastwood hier bewusst zurücktritt. Er überlässt Kevin Costner die Hauptrolle und beschränkt sich lediglich auf einen Nebenpart als Texas Ranger. Das war 1993 ein mutiger Schritt, denn Eastwood war frisch mit seinem Oscar-Triumph für „Erbarmungslos“ gekrönt worden. Er hätte die Erwartung an eine weitere große eigene Hauptrolle problemlos bedienen können.

Costner, der gerade einen Oscar für seine Regiearbeit bei „Der mit dem Wolf tanzt“ gewonnen hatte, ist hier ebenfalls in einer unüblich zurückhaltenden Rolle zu sehen. Das führt dazu, dass hier zwar zwei Ikonen unterschiedlicher Schauspielergenerationen aufeinandertreffen. Sie verzichten aber beide bewusst auf große Egos und Selbstinszenierung.

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