Überdosiert und teuer
Diese Getränke bekommen kein gutes Urteil im Marktcheck
24.07.2026 – 11:24 UhrLesedauer: 3 Min.
„Wasser pur schmeckt öde!“: Finden Sie auch? Dann sind Sie Zielgruppe für Vitaminwasser mit Geschmack. Was Ernährungsexperten von den Getränken halten.
Wasser ist der gesündeste Durstlöscher. Für viele ist es aber auch der langweiligste. Das weiß auch die Getränkeindustrie und bietet eine große Auswahl an aufgepeppten Wassern an. Sie werben mit Kräuter- oder Fruchtzusätzen, Mineralstoffen oder einer Extra-Portion Vitamine.
Ob es sich dabei um eine gesunde Wahl handelt, kommt darauf an, was genau in der Flasche ist, so das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Immerhin: Weil die Wasser mit Geschmack oft kalorienarm sind, können sie „hin und wieder eine Alternative zu Wasser sein“, schreiben die Ernährungsexperten. Um sicherzugehen, dass kein Zucker zugesetzt ist, sollte man aber unbedingt die Zutatenliste anschauen.
Aber: Einen gesundheitlichen Vorteil durch die zugesetzten Pflanzenextrakte, Vitamine und Mineralstoffe sollte man nicht erwarten.
Pflanzenextrakte verleihen eher Farbe als Geschmack
So gesund und schmackhaft Extrakte aus Zitronengras, Sanddorn, Ingwer oder Guarana auf der Zutatenliste auch klingen: Meist sind laut dem BZfE nur geringe Mengen davon in den Getränken enthalten. Sie dienen damit eher der Farbe als dem Geschmack. Letzterer wird meist mit Aromen oder Süßungsmitteln verstärkt, erklären die Ernährungsexperten.
Verbraucherschützer kritisieren Irreführung
Bei 20 Produkten stößt allein schon der Produktname auf Kritik. Bezeichnungen wie „Funktionelles Mineralwasser mit Geschmack“ (Magnesia Plus), „Vitamin Water“ (Hohes C), „Water +“ (Rewe und dm Ivorell) oder Aqua Wellness (Netto) können laut VZSA Menschen in die Irre führen, weil sie suggerierten, es handle sich um Wasser oder sogar Mineralwasser. Alle Getränke im Check seien aber rechtlich Erfrischungsgetränke und keine Mineralwässer. Natürliches Mineralwasser ist ein fest definiertes Lebensmittel, das aus tiefen unterirdischen Quellen kommt, einen typischen Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen aufweist und chemisch nicht oder kaum verändert werden darf.
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Verbraucherschützer sehen Vitaminzusätze kritisch
Auch von Vitaminzusätzen lässt man sich besser nicht blenden. Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hat sich für einen Marktcheck im Mai 2026 insgesamt 35 „Vitaminwasser“ näher angeschaut.
Häufig zugesetzt waren demnach:
- Pantothensäure (Vitamin B5),
- Niacin (Vitamin B3),
- Pyridoxin (Vitamin B6) und
- Biotin (Vitamin B7).
Die Hersteller waren mitunter großzügig: 24 der 35 untersuchten Produkte überschritten die Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für angereicherte Lebensmittel. „Ein gesundheitlicher Mehrwert über die normalen Körperfunktionen hinaus ist dadurch jedoch nicht zu erwarten.“ Überschüssige wasserlösliche Vitamine (dazu gehören auch alle B-Vitamine) landen über den Urin in der Toilette.
Ebenfalls unverständlich findet die Verbraucherzentrale, dass den Getränken teilweise die fettlöslichen Vitamine E und D zugefügt werden. Denn der Körper nimmt diese aus fettfreien Erfrischungsgetränken nicht optimal auf. Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe dadurch zwar nicht, schreiben die Verbraucherschützer. Allerdings nehmen Verbraucher Vitamine nicht nur über solche Getränke, sondern auch über andere (angereicherte) Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel auf. Die tatsächliche Gesamtaufnahme könne dadurch deutlich höher ausfallen.
