„Kegelbrüder“ feiern Erfolg vor Gericht – Richter lag falsch

Richter lag falsch

„Kegelbrüder“ feiern Erfolg vor Gericht

Aktualisiert am 04.02.2026 – 08:20 UhrLesedauer: 2 Min.

Rauchschwaden über dem Badeort S’Arenal in Mallorca, Spanien: Die vom Feuer getroffene Bar „Why not“ liegt nahe der Strandpromenade. (Quelle: 5vision/dpa)

Die als „Kegelbrüder“ bekannt gewordenen Mallorca-Touristen müssen sich vor Gericht wegen mutmaßlicher Brandstiftung verantworten. Nun erzielten sie einen ersten Erfolg.

Vor dem Prozess um die mutmaßliche Brandstiftung in einer Bar auf Mallorca haben die acht Angeklagten aus Nordrhein-Westfalen einen juristischen Erfolg erzielt: Ein Berufungsgericht in Palma hat die vor dreieinhalb Jahren hinterlegte Kaution von 500.000 Euro auf 131.430,60 Euro reduziert. Das bedeutet, dass 368.569,40 Euro zurückerstattet werden.

Das Gericht kritisierte damit den zuständigen Untersuchungsrichter Antoni Rotger, der die Männer ab Mai 2022 57 Tage in Untersuchungshaft gehalten hatte: Seine Schadensschätzung sei „unverhältnismäßig“ und „unzulässig“ gewesen. Der Beschluss liegt der „Bild“-Zeitung exklusiv vor. Dieser erging, kurz nachdem die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Brandstiftung gegen die Mitglieder des Kegelklubs „Stramm am Tisch“ erhoben hatte. Ihnen drohen bei einer Verurteilung sieben Jahre Haft.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, im Mai 2022 Bier und Zigaretten auf das Schilfdach einer Bar in Palma de Mallorca geworfen zu haben, was zu einem Brand geführt haben soll. Der Betreiber der Bar machte neben Sachschäden auch eine halbe Million Euro Verdienstausfall geltend. Die Anwälte der Angeklagten nannten diese Summe „weder nachgewiesen noch indiziell belegt“.

Die Audiencia Provincial, der Berufungsgerichtshof in Palma, stimmte dem nun zu und kritisierte zugleich die fehlende Begründung des Untersuchungsrichters für den angenommenen Gewinnverlust des Barbetreibers.

Richter Antonio Rotger hatte im Juni 2022 eine Kaution von 500.000 Euro festgesetzt, um die Angeklagten aus der Haft zu entlassen. Diese kamen der Zahlungsaufforderung nach, überwiesen das Geld aber zunächst auf ein Treuhandkonto der Sparkasse Münster. Rotger sprach daraufhin von einer „Verhöhnung der Justiz“. Erst als das Geld per Blitzüberweisung auf ein spanisches Konto überwiesen worden war, wurden die „Kegelbrüder“ aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Richter in Palma stellten nun klar, dass Rotger einen Schaden von 350.000 Euro angenommen hatte, obwohl ein Gutachter nur von einer Schadensumme in Höhe von 98.820 Euro ausgegangen war. Theoretisch denkbare Geldstrafen dürften nicht in die Höhe der Kaution einfließen, da dies gegen die Unschuldsvermutung verstoße, so das Berufungsgericht. Die Verteidiger der „Kegelbrüder“ bezeichneten die Entscheidung als „großen Erfolg“.

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