
Warnung vor Kommerzialisierung des Sterbens
Kassenärzte-Chef äußert sich in Schwerkranken-Debatte
02.01.2026 – 23:51 UhrLesedauer: 2 Min.
Wann ist genug genug? Kassenärztechef Andreas Gassen fordert eine Debatte über den Umgang mit Schwerstkranken.
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hat eine offene Debatte über den Umgang mit schwerstkranken Patientinnen und Patienten angeregt. „Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, ob es womöglich einen gewissen Automatismus gibt, alle medizinischen und technischen Möglichkeiten maximal auszuschöpfen, auch wenn das nicht in jedem Einzelfall im Sinne der Patienten ist“, sagte Gassen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er nannte das Thema „sehr schwierig“, betonte aber die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Diskussion.
Anlass für Gassens Aussagen war eine Äußerung des CDU-Gesundheitspolitikers und Bundesdrogenbeauftragten Hendrik Streeck, der eine Debatte darüber angeregt hatte, ob bei sehr alten und kranken Menschen wirklich jede medizinische Maßnahme sinnvoll sei. Gassen sagte dazu: „Manche Ärzte tun sich damit in nachvollziehbarer Weise schwer. Einen Menschen aufzugeben, zu sagen: Ich kann nichts mehr machen, das ist wie eine Niederlage.“
Gleichzeitig warnte Gassen davor, ethische Fragen auf wirtschaftliche Überlegungen zu verkürzen. „Niemand will doch ernsthaft die Frage stellen, wie viel ein Leben wert ist“, sagte er. Auch auf Krebs- und Palliativstationen würden viele schwer kranke Menschen im mittleren Alter behandelt.
Entscheidend sei, solche Fragen sensibel zu besprechen. „Zu einer einzigen richtigen Antwort wird es ohnehin nie kommen“, sagte Gassen. Die Entscheidung liege in der Regel bei den Patientinnen und Patienten gemeinsam mit den behandelnden Ärzten.
Zugleich betonte Gassen, dass es Mut erfordere, in bestimmten Fällen vom Einsatz maximaler Apparatemedizin abzusehen. Er warnte zudem vor einer „Kommerzialisierung des Sterbens“. Den Gesetzgeber sehe er in dieser Debatte jedoch nicht in der Verantwortung.