Schluss mit Bargeld

Koalition will Kartenzahlung im Einzelhandel vorschreiben

07.04.2026 – 06:03 UhrLesedauer: 1 Min.

Kartenzahlung in einem Geschäft (Symbolbild): Die Zahl der Läden, die nur noch bargeldlose Zahlungen akzeptieren, nimmt zu. (Quelle: IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.)

Döner-Imbiss, Späti, Barber-Shop – Berlin will „Cash only“ abschaffen. Wie selten Bargeld-Läden dabei bislang kontrolliert werden, macht den eigentlichen Skandal aus.

Die schwarz-rote Koalition in Berlin bereitet eine Bundesrats-Initiative vor, die Händler und Gastronomen verpflichten soll, mindestens ein digitales Zahlungsmittel anzubieten. CDU-Fraktionschef Dirk Stettner nennt gegenüber der „B. Z.“ den Grund offen: „Mir fällt kein sonstiger Grund ein, warum jemand auf Cashzahlung besteht, als an der Steuer vorbei arbeiten zu wollen.“

Der Befund ist ernüchternd: Von 80.300 Berliner Bargeldbetrieben wurde 2024 nur bei 1,2 Prozent eine Kassen-Nachschau durchgeführt. Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft und des Bundesrechnungshofs entgehen dem Staat so mehr als 15 Milliarden Euro pro Jahr – der vermutete Gesamtschaden liegt laut „Welt am Sonntag“ bei rund 70 Milliarden Euro jährlich.

Auf ihrer Koalitionsklausur am 20. und 21. April wollen CDU und SPD die Initiative anschieben. Ausnahmen soll es nur bei fehlender Infrastruktur oder für Kleinstunternehmen geben. Bargeld soll laut Stettner nicht angetastet werden.

Der Gastroverband Dehoga lehnt eine gesetzliche Pflicht als „staatlichen Zwang“ ab. Die Zusatzkosten seien gerade bei Kleinstbeträgen für Kaffee oder Eis kaum zumutbar.

Auf Bundesebene sieht der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD eine schrittweise Einführung digitaler Zahlungsoptionen ohnehin vor. Das Bundesfinanzministerium verweist auf ein laufendes EU-Paket – und den Digitalen Euro, der 2029 kommen soll.

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