Kanzler Merz in Indien bei Modi: Der zufriedene Friedrich

Aktualisiert am 12.01.2026 – 20:02 UhrLesedauer: 5 Min.

Am Adalaj-Stufenbrunnen: Kanzler Friedrich Merz besuchte am ersten Tag seiner Indien-Reise die Region Gujarat. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Der Kanzler bereist Indien und hat dabei in Premier Narendra Modi einen Partner gefunden, der mit ihm für eine regelbasierte internationale Ordnung kämpft. Was Merz nach seinem ersten Tag im Land so zuversichtlich stimmt.

Florian Schmidt berichtet aus Ahmedabad, Indien

Der Tag im indischen Ahmedabad ist noch lange nicht vorbei, die Uhr schlägt gerade einmal viertel vor drei, doch Friedrich Merz lächelt so, wie einer lächelt, der mit dem eigenen Tagwerk zufrieden ist: Lief doch prima bis hierher, vielleicht noch einen Tick besser als erwartet, da haben wir richtig was geschafft.

Der Kanzler steht in diesem Augenblick bei 29 Grad Celsius und blauem Himmel in einer beeindruckenden Kulisse. Nach dem Abschluss des offiziellen Programms mit Indiens Premierminister Narendra Modi besucht er noch den nahegelegenen Adalaj-Stufenbrunnen, ein Bauwerk mit wundervollen Ornamenten und hinduistischen Schnörkeln, die ein wenig an die Ruinen im Disney-Klassiker „Dschungelbuch“ erinnern.

Merz staunt, er lächelt, er nickt interessiert, während ihm eine Touristenführerin die Architektur erklärt. Und wendet sich dann noch kurz an die mitgereiste Presse: „Ich will noch einmal die Gelegenheit nutzen“, setzt er an, „um Premierminister Modi sehr herzlich zu danken für den wirklich außergewöhnlich freundlichen Empfang in Indien, hier in seiner Heimatregion. Wir haben ein wirklich ausgesprochen gutes, sehr offenes Gespräch gehabt.“

Dinge, die man als Kanzler auf Reisen eben so sagt. Doch bei Merz ist es mehr als das. Seine Zufriedenheit wirkt echt. Ja, fast ein wenig stolz scheint er zu sein, vielleicht ein Stück weit sogar erleichtert.

Den Grund dafür schiebt er gleich selbst hinterher. Nicht nur die deutsch-indischen Beziehungen hätten sich heute noch einmal deutlich verbessert, sondern: „Es gibt jetzt große Chancen, ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und Europa abzuschließen.“ Nach der jüngsten Zustimmung aus Brüssel zum Mercosur-Abkommen mit den südamerikanischen Staaten hoffe er nun sehr darauf, „dass wir an einem zweiten Platz in der Welt zeigen können, dass wir festhalten an einer regelbasierten Handelsordnung“, so Merz. „Und das ist Indien.“

Eigentlich ist der Bundeskanzler nach Indien gereist, um seinen Draht zu Modi zu verbessern und um für die deutsche Wirtschaft handfeste Abkommen zu schließen. Klar war vorab: Es soll unter anderem neue Kooperationen in der Rüstungsindustrie geben, außerdem ein neuerliches Abkommen zum Anwerben von Fachkräften aus Indien für das deutsche Gesundheitswesen sowie die Einrichtung eines jährlichen Forums für CEOs beider Länder. Das war die Checkliste. Wie erwartet, hat man sie abgearbeitet: Insgesamt 19 Absichtserklärungen wurden abgegeben. Bei einigen anderen Fragen, den schwierigeren, jedoch dämpfte man in Berliner Regierungskreisen vorab die Erwartungen.

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