Daseinsvorsorge-Ranking
Diese Stadt punktet bei Gesundheit – doch digital hakt es
26.05.2026 – 02:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Köln gehört in einem neuen Daseinsvorsorge-Ranking bundesweit zur Spitzengruppe. Ein Bereich fällt im Vergleich aber deutlich zurück.
Köln belegt im bundesweiten Daseinsvorsorge-Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) Platz 54 von 10.941 Gemeinden und wird damit in die Kategorie „sehr gut“ eingestuft. Doch die Einzelwerte zeigen: Das Bild ist weit weniger einheitlich, als die Gesamtnote vermuten lässt.
Größter Schwachpunkt ist die Digitalinfrastruktur. Bei Breitbandverfügbarkeit und Mobilfunkabdeckung landet Köln nur auf Rang 1.569. Ein Wert, der deutlich hinter den anderen Kategorien zurückbleibt. Auch im Bereich Bildung, der Schulen und Kitas umfasst, schneidet die Stadt mit Rang 925 nur mittelmäßig ab.
Der Index
Deutlich besser sieht es bei Mobilität aus, wo Köln Rang 518 belegt. Berücksichtigt werden dabei die Qualität von Brücken, das ÖPNV-Angebot sowie die Anbindung an Autobahnen und Flughäfen. Beim Freizeitangebot, also der Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern und Museen, erreicht Köln Rang 492. Den mit Abstand besten Einzelwert erzielt die Stadt bei der Gesundheitsversorgung: Rang 158 bedeutet eine der besten Versorgungslagen bundesweit, gemessen an der Erreichbarkeit von Hausärzten, Krankenhäusern und Apotheken.
Das IW Köln hat für die Studie „Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge“, erstellt im Auftrag von Philip Morris GmbH, insgesamt 17 Einzelindikatoren ausgewertet. Die Daten wurden mithilfe von sogenannten Webscraping, bei dem Daten von öffentlichen Webseiten ausgelesen werden, offenen Behördendaten und eigenen Algorithmen erhoben und für alle 10.941 Gemeinden Deutschlands zu einem Gesamtindex zusammengefasst. Ergänzend wurde eine repräsentative Onlinebefragung von mehr als 5.400 Teilnehmern aus dem Sommer 2025 ausgewertet.
Wahrnehmung schlägt Realität
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist politisch brisant: Für Demokratiezufriedenheit, AfD-Unterstützung oder das Gefühl des regionalen Abgehängtseins spielt die tatsächliche Versorgungslage vor Ort eine nachgeordnete Rolle. Entscheidend ist laut den Forschern die subjektive Wahrnehmung. Objektive Mängel in der Daseinsvorsorge würden häufig als Ausdruck von Staatsversagen interpretiert und könnten so zur politischen Entfremdung beitragen, unabhängig davon, wie gut die Versorgung tatsächlich ist.
Umgekehrt gilt: Eine bessere objektive Versorgung geht grundsätzlich mit einer höheren Zufriedenheit einher, was wiederum positiv auf das Vertrauen in den Staat und die Demokratiezufriedenheit wirkt.
Städte vorn, Land abgehängt
Im deutschlandweiten Vergleich zeigt die Studie erwartbare Muster: Dicht besiedelte urbane Räume schneiden deutlich besser ab als ländliche Gemeinden. Besonders schlecht versorgt sind Teile von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Rheinland-Pfalz.
Überraschend ist, dass ostdeutsche Städte im direkten Städtevergleich besser abschneiden als westdeutsche – 30 Prozent der ostdeutschen Städte fallen in die Kategorie „sehr gut“, bei westdeutschen Städten sind es knapp 20 Prozent.
