Spezialmaschinenbau mit Ost-West-Geschichte

Traditionsbetrieb nach mehr als 100 Jahren vor dem Aus

16.05.2026 – 17:32 UhrLesedauer: 2 Min.

Maschinenbau (Symbolbild): Die Firma Eliog in Thüringen bangt um die Zukunft. (Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/dpa-bilder)

Die Firma Eliog in Thüringen bangt um ihre Zukunft. Aufträge brechen weg oder werden vertagt. Kein Einzelfall in der deutschen Industrie.

Die Krise in der deutschen Industrie trifft das nächste Traditions-Unternehmen. Der Industrieofenspezialist Eliog in Thüringen meldete beim Amtsgericht Meiningen Insolvenz an. Stefan G. Mairiedl, seit April 2026 Sanierungsgeschäftsführer von Eliog, erklärte: „Ziel des Verfahrens ist es, die Substanz des Unternehmens zu erhalten, einen Sanierungsplan voranzutreiben und möglichst mit tatkräftiger Unterstützung eines Investors umzusetzen.“ 74 Beschäftigte bangen um ihren Arbeitsplatz.

Eliog wurde 1924 in Düsseldorf gegründet. Nach schweren Verwüstungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion 1943/44 ins südthüringische Römhild verlegt und auch dort zu DDR-Zeiten als ls VEB Elektro‑Industrieofen‑ und Gerätebau fortgesetzt. Seit 2011 gehört der Traditionsbetrieb zur familiengeführten Rupprecht‑Gruppe.

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Der Thüringer Weltmarktführer ist auf Spezialöfen für die Industrie spezialisiert, etwa im Autobau. Doch macht die Krise der deutschen Wirtschaft dem Unternehmen zu schaffen. Aufträge werden aufs nächste Jahr verschoben oder ganz abgesagt. Dirk Eichelbaum von dhmp Restrukturierung, der das Unternehmen als Generalbevollmächtigter, unterstützt, erklärte: „Eliog Industrieofenbau steht exemplarisch für den spezialisierten ost‑ und mitteldeutschen Maschinenbau: technisch anspruchsvoll, international tätig, mittelständisch geprägt.“ Nur fehlen die Aufträge.

Laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY brachen allein im vergangenen Jahr in der deutschen Industrie rund 120.000 Stellen weg. Gründe sind hohe Energiepreise, der Anstieg der Personalkosten sowie das geopolitische Umfeld. Zuletzt meldete der Traditions-Maschinenbauer Saftig im Westerwald Insolvenz an.

„Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise – 2025 war das zweite Jahr in Folge mit einem rückläufigen Umsatz, und eine Trendwende ist nicht in Sicht“, sagte Jan Brorhilker von EY in Deutschland. „Klar ist angesichts dieser Zahlen aber auch: Es bräuchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern.“

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