
Chronik eines Bruchs
Tim Walter: An sich selbst und am HSV gescheitert
Aktualisiert am 22.01.2026 – 22:23 UhrLesedauer: 4 Min.
Zweimal war der HSV mit Tim Walter nah dran am Aufstieg. 2023/24 sollte endlich der Durchbruch gelingen. Doch mitten in der Saison flog der Trainer raus. Was war passiert
Unter keinem anderen Trainer vor Merlin Polzin kam der HSV dem Bundesliga-Aufstieg so nahe wie unter Tim Walter. Zweimal, 2022 und 2023, scheiterten die Hamburger erst in der Relegation. In der Saison 2023/24 musste der dritte Anlauf unter Walter schließlich gelingen. So zumindest die Erwartungshaltung von Verein, Fans und Medien.
Doch stattdessen geriet der Klub zunehmend in Unruhe. Zwar überwinterte der HSV Ende 2023 auf einem Aufstiegsplatz, die Leistungen blieben jedoch wechselhaft. Auch an Tim Walter, lange Zeit unumstrittener Rückhalt und „Papa“ der Mannschaft, wuchsen die Zweifel. Die ZDF-Doku „Always Hamburg – Hoffnung. Schmerz. Verbundenheit.“ zeigt, wie das Verhältnis zwischen Walter und dem HSV kippte – und weshalb er letztlich seinen Job verlor.
Was viele HSV-Fans nur vermuteten, bestätigt der Film: Die Luft für Tim Walter war bereits zum Jahreswechsel 2023/24 mehr als nur dünn. Den konkreten Plan, ihn durch Steffen Baumgart zu ersetzen, hatte der HSV schon früher gefasst, als die Öffentlichkeit erfahren durfte.
Der HSV belegte zur Winterpause nur Platz 3 hinter Holstein Kiel und St. Pauli. Sportvorstand Jonas Boldt bekennt im Gespräch mit dem Filmteam im Trainingslager in Spanien Anfang Januar: „Ich bin mit der Hinrunde definitiv nicht zufrieden.“ Das Saisonziel sei allein der Aufstieg als Erster oder Zweiter: „Wir wissen auch, dass ein dritter Platz die Möglichkeit ergibt, aber wir haben auch gesehen, dass das wahnsinnig schwierig ist. Dem wollen wir dieses Jahr aus dem Weg gehen.“
„Tim ist einer, der bei aller Kritik trotzdem jeden Montag dasteht und die Energie hat, als Frontmann voranzugehen“, sagte Boldt damals. Doch erstmals ließ der Sportvorstand eine Jobdiskussion zu – auch wegen des Drucks auf ihn selbst. Er machte eine klare Ansage: „Natürlich habe ich die Erwartungshaltung, dass man, wenn man zweieinhalb Jahre zusammenarbeitet, manche Fehler abstellt.“ Bedeutet: Walter solle seine Sturheit ablegen, ansonsten werde er seinen Arbeitsplatz bald los sein.
Der Fußballlehrer aus Bruchsal polarisiert mit seinem Auftreten. Er steht bei Medien und Nicht-HSV-Fans regelmäßig in der Kritik. Doch es gibt diese andere Seite Tim Walters, die menschliche. Pressesprecher Philipp Langer erinnert sich in der Doku an seinen ersten Tag mit dem Trainer: „Tim steht da, mit seinen 1,90 Metern, totales Lächeln im Gesicht (…), hat mich direkt in den Arm genommen.“ Von da an sei er im „Team Tim“ gewesen: „Dann lässt er nichts dazwischenkommen, kümmert sich um dich, ist die Speerspitze, geht vorne weg und nimmt ganz, ganz viel auf sich.“