Die zweite Aussage, und diese wird jetzt vor Gericht landen, kam von Höcke:
„Petry ist dann auch letztlich durch ihr Vorgehen gegen mich als Bundesvorsitzende abgewählt worden, hat den Machtkampf verloren. Meuthen, der später dann ähnlichen Kurs fahren wollte, hat den Machtkampf dann auch verloren.“
Das ist ebenfalls rausgeschnitten. Petry, Bundesvorsitzende ab Gründung 2013, wurde nicht „abgewählt“. Sie trat nach der Bundestagswahl 2017 aus, als sie noch amtierende Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende war. In diesen Rollen hatte sie auch auf Platz 1 der AfD-Liste für Sachsen kandidiert und mit dem besten Ergebnis aller AfD-Bewerber ihren Wahlkreis direkt gewonnen. Sie hatte kurz vor dem Kölner Parteitag im April 2017 selbst ihren Verzicht erklärt, als Spitzenkandidatin anzutreten. Bei dem Parteitag erlitt sie aber eine schwere inhaltliche Niederlage, weil ihr richtungsweisender „Sachantrag zur strategischen Ausrichtung der AfD“ gar nicht auf die Tagesordnung genommen wurde. Und das hat Folgen bis heute.
Das Schneiden: Podcaster Berndt bekam einen Anruf von Petry, die bei ihm auch schon mehrfach Gast war. t-online sagte er: „Frau Petry hat mich zunächst gefragt, was ich denn da gesagt habe. Sie hat mir belegt, dass ich eine falsche Tatsachenbehauptung getroffen habe.“ Darstellungen, Petry habe mit Höcke zusammengearbeitet, tauchen immer wieder auf – und wurden offenbar Berndt zum Verhängnis: Er nutze mit KI erstellte Briefings, „da stand es so“. Benjemanin Berndt geht also mit Vorbereitung in die „ungeskriptet“-Gespräche.
„Mehr Wahrheiten, als mancher verträgt“
Bei der zweiten Passage, der Aussage von Höcke, habe er vielleicht voreilig gehandelt, sagte Berndt zu t-online. „Das ist nicht meine Aufgabe, Gäste zu beschneiden. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn er sich gemeldet hätte.“
Das allerdings sieht der Anwalt Christian Solmecke anders, selbst auf YouTube mit über einer Million Abonnenten unterwegs: „Man ist eben nicht nur technischer Hostprovider wie Spotify oder wie vielleicht YouTube, sondern man hat Prüf- und Handlungspflichten.“ Wenn man bei fremden Inhalten den Hinweis auf unwahre Inhalte bekomme, dann „muss man das auch offline nehmen, rausschneiden, ansonsten kommt man selber mit in die Verbreiterhaftung“.
Beim Telefonat beklagte Petry, es sei noch mehr richtigzustellen. Dazu wird sie jetzt in der nächsten Folge Gelegenheit haben. Ihr Mann kündigte auf der Plattform X an, dass es dann „Antworten gibt. Und etwas mehr Wahrheit, als mancher verträgt.“ Und da dreht es sich um die Brandmauer. Die Folge wird am 24. Juni um 18 Uhr veröffentlicht.
Die nicht transparente Transparenz: Berndt vereinbarte mit Petry, den Podcast mit Höcke zu ändern und darauf aufmerksam zu machen. Es folgte ein Posting auf Instagram, in dem der Podcaster erklärte: Es seien Stellen nachträglich entfernt worden, weil „Aussagen gemacht wurden, die juristisch belangt wurden“. Aufklärung versprach das Team von „ungeskriptet“ für die Folge mit Petry. Solmecke nennt es „sicherlich nicht ganz so cool“, dass nicht gesagt wurde, was warum verändert wurde. In den Kommentaren überschlugen sich auch Nutzer mit Spekulationen und vermuteten nebulös staatliche Eingriffe dahinter. „Die gab es bislang nicht“, sagte Berndt zu t-online. Er sei auch selbst überrascht, dass seine Erklärung so falsch interpretiert werden könnte. „Ich wollte den Transparenzhinweis nutzen als Teaser für die Folge.“
