05.05.2026 – 19:03 UhrLesedauer: 7 Min.

Rechtsextremist Höcke: langer Podcast – mit Kritik auch an der eigenen Partei. (Quelle: IMAGO/OLIVER LANGEL, DÜSSELDORF. GERMANY/imago)

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke nutzt ein Stunden langes Podcast-Interview für eine ungewöhnliche Botschaft. Die Signale richten sich dabei nur zum Teil an die Öffentlichkeit.

Björn Höcke freut sich, macht sich locker, wirft das Sakko ab. Viereinhalb Stunden lang darf er beim Podcaster Ben Ungeskriptet reden, ungestört von kritischen Fragen. Einer der radikalsten Politiker der AfD – der Moderator aber bekundet gleich zu Beginn, er sei kein Journalist, sondern setze einen anderen Fokus: Höcke solle sich wohlfühlen, er selbst wolle etwas von ihm lernen.

So aufgesetzt sind von Anfang an keine großen Enthüllungen zu erwarten. Doch interessant zu beobachten bleibt, wofür einer wie Höcke ein solches Forum nutzt. Neben der erwartbaren Selbstverharmlosung über zähe Stunden hinweg sendet Höcke dabei auch gleich mehrere Signale in seine Partei hinein – und dürfte aus den Reaktionen auf das Gespräch selbst noch etwas lernen.

1. Die Machtfrage: Höcke wartet noch immer auf seinen Moment

Die AfD ist Höckes Lebenswerk. Zwar inszeniert er sich im aktuellen Interview als einfacher Lehrer, der über die Missstände an deutschen Schulen spät politisch erweckt wurde. In „Der lange Anlauf“ aber, einem Film eines rechtsextremen Filmkollektivs über Höcke, legte sein enger Vertrauter, der Verleger Götz Kubitschek, bereits 2025 offen: Höcke und Mitstreiter haben auf eine Partei wie die AfD seit vielen Jahren gewartet.

„Höcke hat, so lange ich ihn kenne, politisch gedacht“, so Kubitschek in dem Film. Bei den rechten „Kleinstparteien“ vor der AfD sei „uns allen“ klar gewesen, dass sie wegen des Stigmas rechts zu sein, nie über Splitterparteien hinauswachsen könnten. Eine erfolgreichere Partei würde eine Anlaufphase brauchen, in der sie „uneindeutig ist, indifferent, nicht stigmatisiert“, führte Kubitschek aus. Aufgebaut von Leuten, denen man das Etikett „rechts“ nicht so einfach umhängen könne – bis die Partei so stark sei, dass man sie nicht „einfach vom Feld fegen“ könne.

Höcke ist seit 2013, seit Gründung des Landesverbands, Chef der AfD in Thüringen, seit 2014 dort Fraktionschef. Der „dienstälteste“ unter den führenden AfD-Funktionären, wie er selbst im Interview mehrfach betont. Vor allem aber war er Initiator und Leitfigur des „Flügels“. Dabei handelt es sich um eine starke Strömung in der Partei, die sich sehr weit rechts positionierte und rasch vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ beobachtet wurde. Sie wurde offiziell aufgelöst, ihre Mitglieder und damit zentrale Netzwerke aber blieben.

Drei weniger radikale Bundesvorsitzende bissen sich über die Jahre an Höcke die Zähne aus. Bernd Lucke, Frauke Petry, Jörg Meuthen hätten den Machtkampf gegen ihn verloren, sagt Höcke. Alle drei haben die AfD verlassen. Höcke weist die Schuld daran von sich. Er habe noch nie eine Intrige gesponnen. „Es lag nicht an mir, dass wir diese Parteifreunde nun nicht mehr unter uns haben“, sagt er – und lacht.

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