NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gilt in der CDU als aussichtsreicher Merz-Nachfolger. In Polen probiert er sich schon mal als Außenpolitiker.
Am späten Dienstagnachmittag ist Hendrik Wüst an der Spitze angekommen, zumindest an der sportlichen Spitze. Lukas Podolski steht plötzlich vor ihm. Fußball-Weltmeister, Weltrekord-Pokalsieger, Langzeit-Kölner und seit fünf Jahren wieder hier in Polen, seinem Geburtsland, das er mit zweieinhalb Jahren Richtung Deutschland verlassen hatte.
Podolski hat ein Trikot seines aktuellen Vereins hier in der Region Schlesien mitgebracht, Górnik Zabrze. Wüst schaut sich das Trikot an, lacht und sagt: „Schwarz-Grün, guck mal.“ So wie zu Hause in Nordrhein-Westfalen, soll das heißen, wo der Ministerpräsident mit den Grünen regiert. Podolski strahlt, Wüst strahlt, die Kameras klicken. Läuft.
Einen Sinn hat das alles auch noch: Wüst ist nach Polen gereist, weil NRW und Schlesien seit 25 Jahren eine Partnerschaft haben, das ist der Anlass. Botschafter aus Kultur, Wissenschaft, Politik und eben dem Sport sollen dabei jetzt helfen. „Partnerschaften müssen gelebt werden“, wird Wüst später in einem Gebäude mit hohen Decken und großen Kronleuchtern sagen. Oder wie Podolski es formuliert: „Ich will ein Vorbild sein für viele, dass ein Weg auch von Polen nach Deutschland gehen kann, aber auch wieder zurück.“
Für Hendrik Wüst, 50 Jahre alt, geht es in den zwei Tagen aber noch um mehr, viel mehr. Er reist mit großer Delegation inklusive überregionaler Journalisten. Und es geht um die ganz großen Fragen: Putins Krieg und wie man ihm standhält, im Internet, aber auch in den Krankenhäusern. Aber natürlich auch um die historische deutsche Schuld im Zweiten Weltkrieg.
Es ist eine interessante Reise zu einem interessanten Zeitpunkt. Kanzler Friedrich Merz ist unbeliebt wie nie, seine Bundesregierung in der Krise, und die CDU gleich mit. Außer, nun ja, kurzer Blick in die Umfragen: zum Beispiel bei Hendrik Wüst in Nordrhein-Westfalen. Einem Mann, dem auch in Berlin ausdauernd Ambitionen und Chancen nachgesagt werden. Bringt sich da jemand in Stellung?
Wo war Wüst?
Es war eine Weile still um Hendrik Wüst geworden, zumindest bundespolitisch. Seine Frau hat gerade eine zweite Tochter bekommen, wie jeder erfährt, der ihm auf Instagram folgt. Und sonst so? Hat er Bäume im Garten beschnitten, Sandburgen am Strand gebaut, Saumagen gegessen (Helmut Kohl, Sie verstehen schon) und, nun ja, natürlich das bevölkerungsreichste Bundesland regiert. Kritiker sagen, etwas zu präsidial, zu sehr die Probleme weglächelnd, irgendwie merkelig. Aber zu tun hatte er.
