Hella von Sinnen

„Ich bin gespannt, ob Herr Nuhr seinen Job bei der ARD behält“

17.07.2026 – 02:49 UhrLesedauer: 3 Min.

Hella von Sinnen sitzt bei „Genial daneben“ neben Dieter Nuhr (Archivbild): Die Kölner Entertainerin kritisiert den Kabarettisten in einem Interview scharf. (Quelle: IMAGO/United Archives / Frank W Hempel)

Dieter Nuhrs Femizid-Aussage empört Deutschland. Nun meldet sich Hella von Sinnen zu Wort – und stellt die eine Frage, die für Nuhr unangenehm werden könnte.

Von Dieter Nuhrs Bemerkung über Femizide erfuhr Hella von Sinnen nach eigenen Worten erst über die Medien – und fiel „aus allen Wolken“. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ geht die Entertainerin nun hart mit dem Düsseldorfer Kabarettisten ins Gericht und stellt offen die Frage, ob er beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu halten sei.

„Jedes Jahr werden an die 350 Frauen von ihren Männern ermordet – und er sagt das? Was ist das für eine unfassbare Unverschämtheit von Nuhr?“, sagte Hella von Sinnen, die seit Kurzem einen eigenen Podcast hat. Dem 65-Jährigen hält sie eine „Verniedlichung von Femiziden und Verleugnung dieses Frauenhasses“ vor. „Ich finde das wirklich unglaublich. Ich bin gespannt, ob Herr Nuhr seinen Job bei der ARD behält.“

Nuhr: Habe mich nicht über Femizide lustig gemacht

Auslöser der Debatte ist ein Auftritt Nuhrs in der XXL-Sonderausgabe von „Nuhr im Ersten“ am 18. Juni 2026. Dort räumte er zwar ein, jeder der „300 bis 350“ Frauenmorde pro Jahr sei einer zu viel. Zugleich behauptete er, das Risiko, in Deutschland unter all den Männern „in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null“. Und schob nach: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“

Nuhr selbst weist die Lesart zurück, er habe sich über Frauenmorde lustig gemacht oder den Opfern eine Mitschuld gegeben. „Habe ich nicht“, schrieb er auf Facebook. „Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun.“ Gemeint sei etwas anderes gewesen: Er habe kritisieren wollen, dass Männer pauschal unter Generalverdacht gestellt würden.

Auch Thomas Gottschalk kommt bei Hella von Sinnen zur Sprache

Das Format „Nuhr im Ersten“ moderiert der Kabarettist seit 2014; hervorgegangen ist es aus der früheren Sendung „Satire Gipfel“. Der dafür verantwortliche Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zeigte in einer Stellungnahme zwar Verständnis für die Kritik, verwies aber zugleich auf die Grenzen des Genres: „In Satireformaten gilt es jedoch auch die künstlerische Freiheit zu achten.“ Auf Basis der Kunstfreiheit dürfe Nuhr „provozierend und zugespitzt formulieren“.

Im selben Gespräch kam von Sinnen auch auf Thomas Gottschalk zu sprechen, dem in der Vergangenheit wiederholt ein unangemessener Umgang mit Frauen vorgehalten wurde. Sie zeigte sich deutlich nachsichtiger: Der frühere „Wetten, dass..?“-Moderator habe „nur spielen“ wollen und sei sich seiner Ausstrahlung als „gutaussehender charming Boy“ durchaus bewusst gewesen.

Share.
Die mobile Version verlassen