Drastische Worte

Ex-DFB-Arzt: „Man wollte meine Existenz vernichten“


Aktualisiert am 20.10.2026 – 12:39 UhrLesedauer: 2 Min.

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt: Er betreute zahlreiche Sport-Stars. (Quelle: ActionPictures/imago-images-bilder)

Jahrelang arbeitete Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt als Teamarzt für den FC Bayern und den DFB. Sportstars suchen noch heute seinen Rat. Doch seine Reputation war nicht immer und überall so gut.

Mit drastischen Worten hat Arzt-Ikone Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt Probleme in der frühen Phase seiner Karriere beschrieben. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte der langjährige Mannschaftsarzt des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft: „Man wollte meine Existenz vernichten.“

Konkret bezieht sich der heute 84-Jährige auf einen Kongress in den Achtzigerjahren, bei dem er seine alternativen Methoden zur Behandlung von Muskelverletzungen vorstellte. „Ich halte einen Vortrag über meine Diagnostik und Behandlung von Muskelverletzungen, anschließend gibt es ganz bissige Fragen“, erinnerte sich Müller-Wohlfahrt. „Der Leiter des Kongresses steht auf und sagt: Wir müssen dafür sorgen, dass man diesem Mann die Zulassung entzieht. Da stehst du dumm da. Das war der absolute Tiefpunkt“, so der Mediziner weiter.

  • „Es gab heftige Kämpfe“: Müller-Wohlfahrt packt über Streit mit Guardiola aus
  • Wegen Ehe-Aus: Tennis-Star beendet Karriere vorzeitig

Müller-Wohlfahrt ist seit jeher auch für seine unkonventionellen, teils homöopathischen Methoden bekannt. Von vielen Kollegen wurde er deshalb auch belächelt. Doch er selbst war von seinem Ansatz immer überzeugt: „Die Schulmedizin hat bei Sportverletzungen ihre Grenzen. Sie lernen in der Klinik nichts über Muskelverletzungen. Sie lernen keine Funktionstests. Sie lernen keine Palpation. Sie lernen, zu operieren“, so Müller-Wohlfahrt.

Er habe zwar auch viel und gerne operiert, aber habe nicht in die Chirurgie, sondern in die Sportmedizin gewollt. „Die orthopädische Sportmedizin gab es aber noch nicht und so war ich ein Pionier“, sagte Müller-Wohlfahrt. Seine Behandlungen seien alle erfolgsorientiert. „Wenn ein Patient gesagt hat: Es hat nichts gebracht. Dann wusste ich: Da mache ich nicht weiter. Ein anderer hat gesagt: Das hat mir so gutgetan. Das habe ich mir dann gemerkt und darauf aufgebaut. So habe ich meine ganze Medizin entwickelt. Reine Empirie, eine alternative Sportorthopädie.“

„Muss niemandem mehr etwas beweisen“

Auch die harsche Kritik der Kollegen verhinderte seinen Erfolg nicht. „Zu der Zeit hatte ich schon sehr, sehr viele internationale Leistungssportler behandelt“, erinnerte sich der Arzt. „Einer von ihnen, Stephen Roche, irischer Tour-de-France-Sieger, sagte mir: Doktor, mach dir da nichts draus, die Sportler stimmen mit den Füßen ab. Sie gehen dahin, wo ihnen geholfen wird. Wir stehen zu dir, wir, die Topsportler der Welt.“

In der Tat ließen sich auch abseits des Fußballs zahlreiche Topsportler von Müller-Wohlfahrt behandeln, darunter auch Tennis-Ikone Boris Becker und Sprint-Weltrekordler Usain Bolt. Einige von ihnen begannen, sich in Gästebücher einzutragen. „Jetzt sind zwei dicke Gästebücher voll. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen“, so Müller-Wohlfahrt.

Share.
Die mobile Version verlassen