Einfaches Hilfsmittel
Wie ein Handventilator bei Atemnot helfen kann
27.04.2026 – 12:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Atemnot gehört zu den belastendsten Symptomen bei chronischen Lungenerkrankungen. Ein überraschend simples Hilfsmittel kann Betroffenen im Alltag Erleichterung verschaffen.
Viele Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen kennen das Gefühl, plötzlich nicht genug Luft zu bekommen. Ein Forschungsteam hat jetzt untersucht, ob ein gezielter Luftstrom – etwa durch einen Handventilator – diese Beschwerden lindern kann. Dabei zeigte sich: In akuten Situationen kann das tatsächlich helfen. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachmagazin „ERJ Open Research“.
Gut zu wissen
Atemnot kommt bei vielen chronischen Lungenerkrankungen vor. Das subjektive Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, macht vielen Betroffenen Angst. In der Regel ist die empfundene Atemnot jedoch nicht gefährlich und lässt sich mit verschiedenen Maßnahmen lindern, etwa mit Atemtechniken (wie der Lippenbremse) oder bestimmten Körperhaltungen (wie dem Kutschersitz).
Ventilator als schnelle Hilfe
Die Forscher werteten zehn Studien mit insgesamt 413 Teilnehmern aus. Die Betroffenen litten unter Erkrankungen wie COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung, eine dauerhafte Verengung der Atemwege), Asthma oder sogenannten interstitiellen Lungenerkrankungen, bei denen sich das Lungengewebe verändert.
- COPD-Schübe: Einfacher Selbsttest erkennt sie früher
- Asthmaspray: Nachmittags wirkt es deutlich besser als morgens
In den Studien kamen verschiedene Geräte zum Einsatz, ein Handventilator, ein Standventilator und ein spezielles Einweg-Luftstromgerät, das sich noch in der Erprobung befindet. Sie prüften die Wirkung sowohl im Labor als auch im Krankenhaus, bei körperlicher Belastung und im Alltag.
Dabei fiel das Ergebnis klar aus: In Situationen mit akuter Atemnot berichteten viele Probanden, dass sich die Beschwerden mit einem Ventilator spürbar besserten.
Warum Luft im Gesicht hilft
Bislang ist unklar, weshalb genau ein kühler Luftstrom Atemnot lindern kann. Fachleute vermuten, dass die kühle Luft im Gesicht den Trigeminusnerv reizt. Dieser leitet Sinneswahrnehmungen aus dem Gesicht an das Gehirn weiter. Dort aktiviert er Bereiche, die das Gefühl von Atemnot verarbeiten, etwa den sogenannten Insellappen (Insula) und den Mandelkernkomplex (Amygdala). Diese Hirnregionen spielen eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung von körperlichem Stress. Der Luftstrom verändert also nicht die tatsächliche Atmung oder die Sauerstoffaufnahme selbst, sondern die Art, wie das Gehirn die Atemnot wahrnimmt.
Kein Wundermittel für den Dauergebrauch
Der Gebrauch eines Ventilators scheint vor allem in akuten Situationen zu helfen. Ein täglicher Gebrauch über mehrere Wochen hatte keine durchgängige Besserung zur Folge.
Unerwünschte Wirkungen traten nicht auf. Ein Ventilator kann daher bei akuter Atemnot gefahrlos zum Einsatz kommen, meinen die Forscher – neben Medikamenten und anderen Maßnahmen wie bestimmten Körperhaltungen und Atemtechniken. Größere Studien sollen nun weiteren Aufschluss bringen.
Erhalten Sie Antworten aus Tausenden t-online-Artikeln.
Handventilator als Erste-Hilfe-Maßnahme
Der Lungeninformationsdienst empfiehlt, den Handventilator bei Atemnot mit etwa 15 Zentimeter Abstand so auszurichten, dass der Luftstrom mittig auf das Gesicht trifft und an Nase, Mund und Wangen zu spüren ist. Bei Bedarf können gleichzeitig andere erlernte Techniken gegen Atemnot zum Einsatz kommen. Manche Betroffene spüren bereits nach wenigen Sekunden Linderung, andere nach mehreren Minuten.
Ein Handventilator hat den Vorteil, dass man ihn überallhin mitnehmen und auch unterwegs anwenden kann. Wer unter nächtlicher Atemnot leidet, kann ihn auf dem Nachttisch deponieren. Der Handventilator lässt sich auch gleichzeitig mit einem Sauerstoffgerät nutzen.
