Olympia-Bewerbung 2036

Hamburgs Grüne stimmen für Olympia – trotz Widerstand

18.04.2026 – 19:10 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine Fahne wirbt für eine deutsche Olympia-Bewerbung: In Aachen und Nordrhein-Westfalen konnten die Bürgerinnen und Bürger in den vergangenen Wochen über eine Bewerbung abstimmen. (Quelle: IMAGO/BODE)

Die Grünen in Hamburg wollen Olympische Spiele in die Hansestadt holen. Die Parteijugend rebelliert, und am 31. Mai haben die Bürger per Referendum das letzte Wort.

Die Hamburger Grünen unterstützen eine Olympia-Bewerbung ihrer Stadt. Eine Landesmitgliederversammlung beschloss am Samstag mit deutlicher Mehrheit einen entsprechenden Leitantrag des Landesvorstands. Er trägt den Titel „Für grüne und nachhaltige Olympische und Paralympische Spiele in Hamburg“.

Während der Debatte äußerten sich auch etliche Gegner des Sportgroßereignisses, für das Hamburg sich für 2036, 2040 oder 2044 bewerben könnte. Ein Gegenantrag fand bei der Parteibasis dennoch keine Mehrheit.

Referendum am 31. Mai

Hamburgs Bürgerinnen und Bürger können am 31. Mai bei einem Referendum darüber entscheiden, ob sich die Hansestadt um Olympische Spiele bewerben soll oder nicht. Anders als in den Mitbewerberstädten und -regionen Berlin, München und Nordrhein-Westfalen zeigte sich zuletzt eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger laut einer repräsentativen Umfrage skeptisch. Bereits 2015 hatte eine Mehrheit Olympischen Spielen in Hamburg eine Absage erteilt. Auch damals waren die Grünen als Befürworter der Spiele aufgetreten.

Es sei aus politischer und grüner Sicht wichtig, erneut für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele in Hamburg zu werben, sagte Hamburgs Grünen-Vorsitzende Selina Storm. Sie könne Gegenargumente wie zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nachvollziehen. „Die fehlende Transparenz, Korruption und Lobbyskandale der Vergangenheit vergisst man nicht so schnell. Auch ich nicht“, sagte Storm. Doch das IOC habe sich inzwischen geändert. Das Komitee verfolge eine Agenda, die zwar nicht perfekt sei, aber überwiegend in die richtige Richtung gehe.

Parteichefin Storm: „Wir trauen uns das zu“

Die Sorgen um steigende Mieten nähmen die Grünen ernst. Und was die Sorge vor Großprojekten angehe: „Ich finde, es muss unsere Haltung als selbstbewusste Regierungspartei sein, dass wir Hamburg und uns das zutrauen“, sagte Storm. Es gebe keinen Grund, sich klein zu machen, sagte sie mit Blick auf den Bau der U-Bahnlinie U5.

Ähnlich äußerten sich die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank, Verkehrssenator Anjes Tjarks und der Bundestagsabgeordnete und frühere Justizsenator Till Steffen.

„Chance liegt bei acht bis zwölf Prozent“

Selbst wenn das Referendum im Sinne der Olympia-Befürworter ausginge, läge die Chance für Hamburg danach „bei acht bis zwölf Prozent, je nachdem welche Spieltheorie man ausprobiert“, sagte die Kreisvorsitzende von Hamburg-Mitte, Sonja Lattwesen. Gute Politik sollte aber nicht davon abhängen, ob man den Zuschlag für ein Mega-Event bekomme.

Wiebke Apitzsch verwies auf grüne Werte für eine nachhaltige, positive Zukunft für die Welt, auf soziale Gerechtigkeit und Fairness. „Diese Werte gehen konträr zu den Werten des IOC.“ Es könne doch nicht sein, „dass wir uns mit einer Organisation verbinden, die so viele Skandale hat, dass selbst Menschen, die sich für Nachrichten nicht interessieren, davon mitbekommen“.

Die Grüne Jugend zeigte sich enttäuscht nach der Abstimmung und kündigte an, den Beschluss nicht mitzutragen. „Diese Spiele werden ein Defizit in der Hamburger Kasse hinterlassen. Die Mieten werden steigen. Obdachlose werden verdrängt, damit das Stadtbild aufgehübscht wird“, erklärte die Nachwuchsorganisation der Partei. Das sei keine Chance für alle – „das sind Spiele für wenige, bezahlt von allen“.

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