
„Gefährlich“
Landespolizei hat enormes Problem
13.01.2026Lesedauer: 2 Min.
Vor Monaten ist die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern Opfer eines Hackerangriffs geworden. Die alltägliche Arbeit ist noch immer erheblich behindert.
Die parlamentarische Opposition wirft Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel (SPD) „ein massives Organisations- und Führungsversagen“ vor: „Wenn Beamtinnen und Beamte im Einsatz minutenlang auf Funkantworten warten müssen oder Streifenwagen ausfallen, weil Berichte nur noch am Schreibtisch geschrieben werden können, dann schwächt das die Polizei insgesamt“, sagte CDU-Landeschef Daniel Peters.
Der Hintergrund: Mehr als ein halbes Jahr nach dem Ausfall der Polizei-Diensthandys in Mecklenburg-Vorpommern kann Innenminister Pegel noch immer keinen Termin für eine Lösung des Problems nennen. Konkrete Angaben zu Lieferterminen, Stückzahlen und Herstellern sind nach Angaben einer Sprecherin aktuell nicht möglich.
Im Sommer 2025 war die Landespolizei Opfer eines Hackerangriffs geworden. In einer ersten Mitteilung hatte das Innenministerium Anfang Juni erklärt, die Beamten könnten deshalb ihre Mobiltelefone „für einige Tage nicht in vollem Umfang nutzen“. Nach dem Angriff auf einen von der Landespolizei genutzten Server waren die betroffenen Dienst-Handys vorsorglich außer Betrieb genommen worden. Ziel war es, Daten zu schützen und mögliche Folgerisiken auszuschließen, wie die Sprecherin sagte.
Erst verzögert wurde das volle Ausmaß bekannt: Demnach sind mehr als 4.000 Diensthandys betroffen und können seit der Attacke nicht mehr benutzt werden.
Die „Ostsee-Zeitung“ zitierte jetzt einen Polizisten. Der Alltag ohne Diensthandy könne „schnell gefährlich“ werden, sagte Markus Stach von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Besonders bei Personenkontrollen würden die Beamten ihre Smartphones vermissen. Vor der Hacker-Attacke hätten sich Personendaten schnell per App überprüfen lassen. Jetzt gehe wertvolle Zeit verloren. Stach: „Die Ausweisnummer wird an die Dienststelle durchgegeben, von dort kommt die Antwort zurück.“ Das könne dauern.
Außerdem sei es aktuell nicht möglich, schnell Beweisfotos per Handy aufzunehmen und sofort weiterzuleiten. CDU-Landeschef Peters nahm die Kritik auf: „Polizisten müssen Kollegen allein zurücklassen, weil Beweissicherung nur noch mit sperriger Technik möglich ist, und sensible Einsatzinformationen werden wieder auf Papier mitgeführt. Das ist ein Rückschritt um Jahrzehnte und sicherheitspolitisch nicht akzeptabel.“
Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Constanze Oehlrich bewertet die Situation als „sicherheitspolitisch hochproblematisch und nicht länger hinnehmbar“. Faktisch sei die Landespolizei wieder auf die Mittel von vorgestern zurückgeworfen – mit Funk, Papierakten und erheblichen Verzögerungen im Einsatz. „Dass es bis heute weder eine funktionierende Lösung noch einen konkreten Zeitplan gibt, ist ein klares Organisations- und Führungsversagen des Innenministeriums.“