Cyberangriff auf Landesnetz
Berlin zahlt nicht – Hacker veröffentlichen Daten
Aktualisiert am 04.09.2026 – 17:30 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Hackergruppe Rhysida hatte 30 Bitcoin gefordert und eine Frist bis Freitagmittag gesetzt. Dann veröffentlichten sie das Datenpaket.
Im Erpressungsfall nach dem massiven Datendiebstahl im Berliner Landesnetz hat die kriminelle Hackergruppe Rhysida ihre Drohung wahr gemacht. Das Ultimatum der Gruppe endete am Freitag gegen 15.35 Uhr. Rund eine Stunde danach wurde das rund 5,8 Terabyte große Datenpaket im Darknet veröffentlicht. Der Berliner Senat hatte die von den Hackern geforderten 30 Bitcoin, umgerechnet rund zwei Millionen Euro, nicht gezahlt.
Nach dem Verstreichen der Frist wurde auf der Webseite der Erpresser im Darknet die „Auktion“ beendet. „Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!“, hieß es dort. Ein Link führte allerdings zunächst nicht zu den Daten, sondern zu einer Fehlermeldung. Eine Stunde später konnte man dann allerdings den Download der Daten starten.
Das Landeskriminalamt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beobachten die einschlägigen Foren und Leak-Seiten fortlaufend. Bei vergleichbaren Angriffen vergehen nach Einschätzung von IT-Sicherheitsexperten erfahrungsgemäß oft mehrere Stunden oder Tage, bis gestohlene Datensätze zum Download bereitstehen.
Hacker behaupten: Haben Zugangsdaten und Passwörter
Die von den Angreifern zuvor veröffentlichten Auflistungen und Screenshots deuten auf einen gravierenden Abfluss hochsensibler Daten hin. Die Gruppe behauptet, rund 1,44 Millionen Dateien erbeutet zu haben. Laut eigenen Angaben sollen sich darunter mehr als 5.000 Personalakten, Gehaltsabrechnungen und Bußgeldvorgänge befinden, außerdem vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung. Zudem gibt die Gruppe an, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben – unter anderem für Datenbanken der Verwaltung und Zahlungsdienstleister.
- Hacker drohen mit Daten-Veröffentlichung: Das rät der Senat
IT-Expertin: „Man muss sie finanziell austrocknen“
Die Weigerung des Senats, das Lösegeld zu zahlen, stieß in der Fachwelt auf Zustimmung. Bianca Kastl vom Chaos Computer Club sagte im RBB Inforadio, die Entscheidung sei richtig. „Würde man diese Gruppen weiter unterstützen mit Geld oder anderen Dingen, dann würden die natürlich immer weitermachen“, sagte sie. „Man muss sie finanziell austrocknen.“
Der IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer sagte, der Staat dürfe bei Erpressungen gesetzlich keine Zahlungen vornehmen. Die Lage bleibe dennoch schwierig: „Die Daten sind in den Händen von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen Fällen sehr schädliche Auswirkungen“, sagte er. Allerdings sei anzunehmen, dass die Täter, die meist in osteuropäischen Ländern lebten, diese Daten den dortigen Behörden zugänglich machten, um sich Schutz vor Ermittlungen gegen sie selbst zu erkaufen.
Die Berliner Verwaltung hatte den Angriff bestätigt, der am 14. August bekannt geworden war. Das Landeskriminalamt und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sind in die Analyse und Bewältigung eingebunden.
