Ob bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg Grüne oder CDU gewinnen, wird an der Regierung wenig ändern. Es wird wohl wieder eine Koalition aus den beiden. Aber im Ländle funktioniert das eben. Im Großen wie im Kleinen.

Die anstehende Landtagswahl ist in der baden-württembergischen Kleinstadt Knittlingen kaum zu übersehen. Wie im gesamten Land hängen an nahezu jeder Laterne, jeder freien Fläche Wahlplakate. Überall sieht man die Gesichter der Spitzen- und Wahlkreiskandidaten. Besonders präsent sind CDU und FDP, auch AfD und SPD tauchen immer wieder auf. Nur eine Partei scheint im Bereich um die Hauptstraße und das Rathaus komplett zu fehlen: die Grünen.

Dabei sind der baden-württembergische Ministerpräsident ebenso wie der Bürgermeister von Knittlingen Grüne. Seit 2022 sitzt Alexander Kozel im Rathaus, er ist einer von acht grünen Bürgermeistern im ganzen Bundesland. Der Mann mit Glatze, Dreitagebart und Brille sagt, es gebe sehr wohl grüne Plakate, allerdings in anderen Bereichen des Ortes, wenn auch nicht so zahlreich wie bei manch anderer Partei.

Kozel ist tief in der Region verwurzelt, im selben Landkreis geboren, spricht den lokalen Dialekt und ist ehrenamtlich stark engagiert. Zusammen mit seinem beruflichen Hintergrund als Verwaltungsfachmann waren das nach seinen Worten schon die wichtigsten Gründe für seine Wahl.

Explizit grüne Politik, so scheint es, ist hier auch für grüne Politiker nur zweitrangig. Das gilt auf der Kommunalebene ebenso wie auf Landesebene. Denn sowohl der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann als auch der aktuelle Spitzenkandidat Cem Özdemir geben sich als Männer aus dem Ländle und Ober-Realos, unterstützen beispielsweise die heimische Autoindustrie. Grüner Idealismus ist dort oft erst auf den zweiten Blick erkennbar.

Stattdessen regieren die Grünen seit zehn Jahren mit der CDU. Und das im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr harmonisch und bis zum Wahlkampf fast geräuschlos. Während die CSU in Bayern keine Gelegenheit auslässt, um auf die Grünen zu schimpfen, scheinen bei Union und Grünen im Nachbarbundesland ideologische Scheuklappen zu fehlen.

So sieht das auch Bürgermeister Kozel. Für die Zukunft des Landes sei es „relativ egal“, ob Özdemir oder Hagel der nächste Ministerpräsident werde, es werde ohnehin erneut eine Koalition der beiden Parteien geben. Andere Optionen ohne Beteiligung der AfD sind rechnerisch kaum möglich.

Share.
Die mobile Version verlassen