Dabei hatte Söder die Altersgrenze von 67 Jahren bei Amtsantritt für Bürgermeister im Jahr 2023 noch aufheben lassen, damit Reiter für eine weitere Amtszeit ins Rathaus hätte einziehen können – so zumindest die Einschätzung vieler in der Politik.
Söder betonte damals hingegen: „Wir machen es nicht wegen einer Stadt.“ Dennoch spielte er in einer Pressekonferenz auf die bayerische Landeshauptstadt an, mit der man „sehr gut“ zusammenarbeite, berichtete damals die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Auf die Frage, bis wann die Aufhebung der Altersgrenze umgesetzt sein solle, sagte er: „Alles, was wir tun, erfolgt immer rechtzeitig.“
Nun ist es anders gekommen, und der 35-jährige Krause hat in der Stichwahl am Sonntag 56,4 Prozent der Stimmen auf sich vereint, Reiter nur 43,6 Prozent. Und München wird gleich doppelt grün geführt: Neben dem Oberbürgermeister ist auch die stärkste Rathausfraktion grün. Söder wird sich jetzt mit Krause arrangieren müssen, beispielsweise in Fragen der Münchner Olympiabewerbung oder wenn es um den Münchner Flughafen geht.
Abgesehen von München hat es allerdings lediglich im Landkreis Landsberg am Lech für die Grünen gereicht. Die meisten ihrer Stichwahlen verlor die Partei. Grünen-Landeschefin Gisela Sengl schöpft aus dem Wahlabend dennoch Zuversicht, berichtet der BR. „Unsere Lehre: Mit Freude Wahlkampf machen, die Menschen begeistern, dann gewinnt man eine Wahl.“
Vielleicht habe Reiter auch ein wenig amtsmüde gewirkt, sagt Münch. „Und ein bisschen sehr selbstsicher und selbstzufrieden. Das hat viele Wähler dann dazu gebracht, dass sie doch einen Wechsel haben wollen.“
In den drei größten Städten Bayerns schaffte es lediglich der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König (CSU) wieder ins Amt – und auch das nur im zweiten Wahlgang. In vielen Städten wurden die Amtsinhaber abgewählt. „Die Bereitschaft, Amtsinhaber in die Wüste zu schicken, ist gewachsen“, erklärt Münch. Die Wechselbereitschaft bei Kommunalwahlen sei relativ groß, die Parteibindungen nähmen ab.
