Umgang mit Antisemitismus

Sondierung unterbrochen: Grüne fordern Erklärung der Linken

Aktualisiert am 14.10.2026 – 08:51 UhrLesedauer: 3 Min.

Nach der konstituierenden Sitzung der Linke-Fraktion hatten Grüne und SPD am Dienstagabend überraschend die Sondierungen unterbrochen. (Symbolbild) (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-bilder)

Die Linke will eine Koalition mit Grünen und SPD in Berlin schmieden. Doch ihr Verhalten sorgt für Irritationen bei den potenziellen Partnern. Welche Erwartungen gibt es nun?

Nachdem SPD und Grüne die Sondierungen mit der Linkspartei in Berlin unterbrochen haben, fordern die Grünen Erklärungen vom möglichen Koalitionspartner. Man habe vergangene Woche eine Verabredung zum Thema Antisemitismus getroffen und sei am Dienstag überrascht gewesen, dass die Linkspartei ihrer Fraktion „etwas anderes vorgelegt hat zum Unterschreiben“, sagte Landeschefin Nina Stahr dem RBB-Inforadio. „Deswegen erwarten wir jetzt von der Linkspartei, dass sie uns einmal erklärt, was da gestern in der Fraktionssitzung passiert ist.“

Offen ließ Stahr, welche Rolle es spielt, dass die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde Teil der neuen Linksfraktion ist. Sie sagte lediglich: „Dass Vanessa Emde ein Stück weit eine Person ist, an der es Kritik gab, das war klar. Aber wir haben sehr klar gesagt, wir haben hier eine gemeinsame Erklärung und die muss die Basis unseres Zusammenarbeitens sein.“

Stahr: Wir sitzen weiter am Tisch

Nach der konstituierenden Sitzung der Linke-Fraktion hatten Grüne und SPD am Dienstagabend überraschend die seit knapp einer Woche laufenden Sondierungen mit der Linkspartei unterbrochen. Sie teilten mit, eine von allen Mitgliedern der Linke-Fraktion unterzeichnete Erklärung zum Umgang mit Antisemitismus müsse nun bewertet werden.

Grünen-Landeschefin Nina Stahr erwartet von der Linken eine Erklärung, „was da gestern in der Fraktionssitzung passiert ist“. (Archivbild) (Quelle: Sven Kaeuler/dpa/dpa-bilder)

Stahr betonte, dass SPD und Grüne die Sondierungen nicht abgebrochen hätten. „Wir sitzen weiter an dem Tisch und wir warten, dass die Linkspartei jetzt zurückkommt, und auf Basis unserer gemeinsamen Verabredung können wir dann auch weitersprechen.“

Die Linke hatte sich am Dienstagabend überrascht gezeigt. „Aus unserer Sicht gilt die Vereinbarung von letzter Woche“, sagte Co-Fraktionschef Tobias Schulze in der RBB-Abendschau. Nach seiner Einschätzung geht es nun darum, Vertrauen herzustellen. „Dass wir genauso wie Grüne und SPD daran interessiert sind, dass jüdische Menschen in Berlin sicher leben können. Dass wir wirklich an einem gemeinsamen Ziel arbeiten“, erklärte Schulze.

Zugleich machte der Co-Fraktionschef deutlich, dass die Linke trotzdem für Personalentscheidungen selber verantwortlich sei. „Die Linke muss entscheiden, mit welchen Leuten sie ins Parlament geht“, sagte Schulze.

Grüne und SPD haben Fragen

Nach mühsamen Verhandlungen hatten Linke, Grüne und SPD vergangene Woche vor Aufnahme der Sondierungen eine Vereinbarung geschlossen, wie sie im Falle einer Koalition mit antisemitischen Vorfällen in den Reihen der Linken umgehen wollen. Angedacht sind auch Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss. Am Dienstag unterschrieben die Mitglieder der Linken-Fraktion geschlossen eine inhaltlich zwar ähnliche, aber eben andere Erklärung zu dem Thema.

„Wir haben zur Kenntnis genommen, dass die Linke in ihrer Fraktion zu anderen Verabredungen gekommen ist“, erklärten die Spitzenkandidaten Werner Graf (Grüne) und Steffen Krach (SPD) daraufhin in einem gemeinsamen schriftlichen Statement. „Das bedeutet, dass wir an dieser Stelle die Sondierungen unterbrechen müssen, um zu bewerten, ob unsere Vereinbarung von vergangener Woche noch gilt. Wir erwarten, dass die Linke uns deutlich macht, inwiefern sie unsere getroffenen Vereinbarungen ernst nehmen und umsetzen wollen.“

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