Generalleutnant Gerald Funke rechnet mit Tausenden Verwundeten

Bundeswehrgeneral über Angriffszenario

„Ich muss für Tausende mögliche Verletzte planen“

01.02.2026 – 02:18 UhrLesedauer: 3 Min.

Bei einer Bundeswehr-Übung bringen Soldaten einen von einem Soldaten gespielten Verletzten zu einem Hubschrauber. (Quelle: Armin Weigel/dpa/dpa-bilder)

Der Chef des deutschen Unterstützungskommandos sieht einen russischen Angriff als reale Gefahr. Generalleutnant Gerald Funke äußerte sich zu möglichen Szenarien.

Sollte es zu einem russischen Angriff auf Nato-Staaten kommen, wird Deutschland eine wichtige Rolle spielen. Der deutsche Generalleutnant Gerald Funke hält es für möglich, dass es bereits in zwei bis drei Jahren zum Ernstfall kommen kann. Der britischen „The Times“ sagte der Chef des Unterstützungskommandos der Bundeswehr, dass ihn derzeit aber die hybriden Attacken Moskaus Sorge bereiten, wie Sabotage, Schläferzellen und sogar Angriffe mit Langstreckenraketen. „Die hybride Gefahr ist sehr groß.“

Funkes Job ist es, sich um die Logistik hinter dem Frontverlauf zu kümmern, von verwundeten Soldaten bis zum Nachschub an Material, auch von Privatfirmen. Dabei spielt Deutschland eine große Rolle: In der Mitte Europas gelegen, ist es ein Umschlagplatz für Soldaten und Nachschub. Diesen müssen Funke und das Unterstützungskommando auch im Kriegsfall aufrechterhalten, selbst wenn es viele Tote, Stromausfälle und Beschädigungen von Bahnstrecken gibt.

Sollte Putin wirklich einen Krieg gegen die Nato beginnen, hat Funkes Truppe eine Schlüsselposition. „Für uns ist es wichtig, Deutschland als Logistikdrehscheibe zu erhalten und den Nachschub so lange wie möglich reibungslos zu verwalten. Das bedeutet, dass wir bei Ausfall einer Route die Möglichkeit haben, auf andere auszuweichen.“

Er muss auch dafür sorgen, dass verletzte Soldaten versorgt werden können. „Während ich in Afghanistan eine bedauerlicherweise hohe, aber überschaubare Zahl von Verwundeten hatte, muss ich jetzt mit der Möglichkeit rechnen, dass täglich tausend Soldaten verletzt werden. Je genauer man sich damit befasst, desto komplexer wird es und desto schwerer fällt es, sich das vorzustellen“, sagte Funke der „Times“.

Ganz alleine werden die Bundeswehr und ihre Verbündeten das nicht schaffen. „Es muss ganz klar gesagt werden, dass wir ohne die Unterstützung der Zivilbevölkerung im Rahmen eines Gesamtverteidigungskonzepts nicht in der Lage wären, uns zu verteidigen“, sagte Funke.

Der Drei-Sterne-General beschrieb an einem Beispiel, welche Herausforderungen auf die Bundeswehr zukommen, wenn es an der Ostflanke der Nato zum Ernstfall kommt. Britische Truppen würden im Falle einer Verlegung durch Deutschland über einen Hafen wie Emden oder Bremerhaven kommen und von dort weitergeleitet werden.

Auf dem Weg dorthin müssten deren Fahrzeuge betankt werden; die Soldaten benötigten Ruhe, Verpflegung und gegebenenfalls medizinische Versorgung. Dafür brauche es zivile Organisationen. „Wir arbeiten gerade an Verträgen“, sagte Funke der Zeitung. Zu diesen gehört die Deutsche Bahn. Diese war vor dem Mauerfall verpflichtet, innerhalb von drei Tagen Güterzüge zur Verfügung zu stellen. „Dahin müssen wir zurückkommen. Und wir arbeiten dran“, so Funke.

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