Anlass zur Hoffnung

Diese Studie übers Altern könnte Sie überraschen


06.03.2026 – 12:11 UhrLesedauer: 3 Min.

Älterer Mann liest (Symbolbild): Im Alter lässt die Geisteskraft nicht zwingend nach – es sind sogar Verbesserungen möglich. (Quelle: Inside Creative House/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Im Alter geht es körperlich und geistig bergab? Im Gegenteil, meint ein Forschungsteam der Universität Yale. Ihre Untersuchung widerspricht dem gängigen Bild vom Alterungsprozess.

Bei vielen betagten Menschen verbessern sich im Laufe der Jahre die geistige Leistungsfähigkeit und teilweise sogar die körperliche Fitness: Das legen die Ergebnisse der Langzeitstudie nahe, die nun im Fachmagazin „Geriatrics“ erschienen ist.

Über einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren verfolgten die Altersforscherin Becca R. Levy und ihr Kollege Martin Slade die Entwicklung von mehr als 11.000 Menschen ab 65 Jahren. Diese sollten regelmäßig verschiedene Tests absolvieren: Ihre kognitive Leistungsfähigkeit war unter anderem mit Erinnerungs-, Orientierungs- und einfachen Rechenaufgaben erfasst worden. Die körperliche Leistungsfähigkeit konnte über die Gehgeschwindigkeit gemessen werden.

Anhand der Testergebnisse konnten Levy und Slade feststellen, wer sich mit der Zeit verschlechterte, wer stabil blieb oder wer sich verbesserte. Das Ergebnis: Rund 45 Prozent der Teilnehmer verzeichneten in mindestens einem dieser Bereiche eine Zunahme ihrer Fähigkeiten. Etwa ein Drittel schnitt später in kognitiven Tests besser ab, gut ein Viertel steigerte die eigene Gehgeschwindigkeit.

„Bemerkenswert ist, dass diese Verbesserungen verschwinden, wenn man nur Durchschnittswerte betrachtet“, kommentiert Levy die Befunde in einer Pressemitteilung. „Mittelt man alle Menschen zusammen, sieht man einen Rückgang. Schaut man sich jedoch die individuellen Verläufe an, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Ein beträchtlicher Teil der älteren Teilnehmer hat sich im Laufe der Zeit tatsächlich verbessert.“

Levy hatte 2023 ein Buch mit dem Titel „Du bist so alt, wie du dich denkst“ veröffentlicht. Die Ergebnisse ihrer neuen Studie untermauern diese These. Zu Beginn waren die Teilnehmer nämlich auch zu ihren Einstellungen zum Altern befragt worden. Sie sollten etwa angeben, ob sie den Aussagen „Je älter ich werde, desto nutzloser fühle ich mich“ und „Ich bin heute genauso glücklich wie in meiner Jugend“ zustimmen oder eher nicht.

Bei der späteren Auswertung stellte sich heraus: Menschen, die zu Beginn der Studie eine positivere Sicht auf das Älterwerden hatten, zeigten später häufiger Verbesserungen – sowohl bei den Denktests als auch bei der Gehgeschwindigkeit.

Das Team wertet diesen Befund als Hinweis darauf, dass kulturelle Vorstellungen über das Altern tatsächlich Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnten. Darauf deuten auch frühere Forschungsarbeiten von Levy hin, laut denen die Einstellung einer Person zum Altern möglicherweise vorhersagen kann, wie hoch ihr Risiko ist, Gedächtnis- und Schlafprobleme oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln.

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