Geht es um Putin, Xi – oder doch Trump?

Aber stimmt das? Dass Russland und China ihre Militärpräsenz in der Arktis seit Jahren verstärken, ist richtig und unstrittig. Aber die Anspielung, dass China eine militärische Bedrohung für Grönland darstellen könnte, lässt sich kaum aufrechterhalten. So stellte auch der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen, der damit das Säbelrasseln der Trump-Regierung entkräften wollte, in Washington klar: „Laut unseren Nachrichtendiensten gab es seit einem Jahrzehnt kein chinesisches Kriegsschiff in Grönland.“

Auch dass es bei dem Einsatz primär um die Abschreckung Russlands und Chinas geht, darf bezweifelt werden. Allein der Zeitpunkt der Mission ist bezeichnend: So verkündeten die Europäer die Entsendung von Militärpersonal nur wenige Stunden, nachdem der dänisch-amerikanische Krisengipfel im Weißen Haus gescheitert war. Der dänische Außenminister Rasmussen sagte nach dem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance, sichtlich besorgt, in die Kameras, Trump wolle Grönland weiterhin „erobern“.

Den Europäern dürfte zwar klar sein, dass im Ernstfall weder dänische Gebirgsjäger noch ein deutscher Seefernaufklärer das mächtige US-Militär stoppen könnten oder es auch nur versuchen würden. Der Einsatz wird trotzdem als entschlossenes Signal an die USA gewertet. Es gehe, so heißt es bei Beobachtern, auch darum, die politischen Kosten einer möglichen US-Militärintervention hochzutreiben und ein Signal in die Partei der US-Republikaner zu senden. Einige von Trumps Parteifreunden haben sich bereits öffentlich gegen den US-Präsidenten gestellt. Diese Stimmen dürften noch lauter werden, je mehr europäische Soldaten in Grönland stationiert werden.

In der Koalition aus Union und SPD stößt die Erkundungsmission der Bundeswehr weitgehend auf Zuspruch. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion, Siemtje Möller, nannte das Erkundungsteam der Bundeswehr in Grönland ein „wichtiges Zeichen gelebter europäischer Solidarität“. „Deutschland übernimmt damit Verantwortung und beteiligt sich aktiv an einer gemeinsamen europäischen Antwort auf die sicherheitspolitischen Herausforderungen in der Arktis“, so Möller in einem Statement.

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