
Was ist neben dem Tempo jetzt noch wichtig?
Die nächsten Tage wird sicher noch ein wenig mehr über den Tatverdächtigen bekannt werden. Und dann sprechen wir darüber, wie solche Menschen zum Totschläger werden. Wieso bekommt es die Justiz nicht in den Griff, dass diese Gewaltdelikte runtergehen? Unser Resozialisierungsgedanke sagt, ich bestrafe jemanden, damit er sich bessert und morgen wieder in der Gesellschaft stattfindet. Aber unsere Gesellschaft ist mittlerweile durchzogen von Mehrfachtätern. Also brauchen wir ein ganz anderes Vorgehen gegen Menschen, die Menschen töten.
Sie stellen also den Resozialisierungsgedanken zur Diskussion. Dabei ist der fest in der deutschen Justiz verankert. Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?
Wir wissen in Deutschland alle: Lebenslang heißt in der Regel nicht lebenslang. Das hat sich in der deutschen Bevölkerung festgesetzt. Vielleicht müsste die Justiz wieder verdeutlichen, dass lebenslange Haft auch lebenslange Haft bedeutet. Dafür haben wir aber wahrscheinlich gar nicht die Kapazitäten in Gefängnissen. Wir haben eine heftige Debatte, dass Menschen zu bestimmten Zeiten gar nicht mehr ins Gefängnis gesteckt werden, weil diese voll sind. Aber wo soll dann resozialisiert werden?
Was muss in dem konkreten Fall des getöteten Serkan C. jetzt erfolgen?
Dieser Fall ist so dramatisch, dass es jetzt Professionalität und Qualität im juristischen Bereich braucht. Wehe, hier passiert eine Gerichtspanne und man schafft es nicht, während der U-Haft eine Anklage zu machen. Und wehe, das Urteil für einen Totschläger fällt nachher so aus, dass diese Gesellschaft sich denkt: Ach, fürs Töten eines Menschen kriegt man nur acht Jahre. Die Menschen werden in diesem Fall genau hingucken, ob sie noch in den Rechtsstaat vertrauen oder nicht.
Die Gewalt hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen, sowohl gegen Polizeibeamte als auch gegen das Zugpersonal. Wie kann man darauf reagieren?
Es gab mehrere Präventionskampagnen, auch mit Untersetzung des Verkehrsministeriums und der Deutschen Bahn. Die scheinen nicht zu wirken, denn die Zahlen haben sich nicht verändert. Wir wissen aber, dass Schulungen, sich aus Konfliktsituationen rauszuhalten, oder Selbstverteidigungskurs zu weniger Körperverletzungen beim Zugpersonal führen.