Frauen werden bei Schmerzen oft schlechter behandelt

„Gender Pain Gap“

Blinder Fleck in der Medizin hat Folgen für Millionen Patienten


25.01.2026 – 07:30 UhrLesedauer: 3 Min.

Migräne, Rückenschmerzen, Rheuma: Frauen werden in der medizinischen Versorgung nach wie vor benachteiligt. (Quelle: Srdjanns74/getty-images-bilder)

Frauen haben häufiger Schmerzen, doch sie werden medizinisch oft übersehen oder nicht ernst genommen. Welche Konsequenzen Ärzte daraus fordern.

Ein stechender Schmerz, ein pochender Kopf oder ziehende Krämpfe: Für viele Frauen gehören Schmerzen zum Alltag. Trotzdem werden ihre Beschwerden in Arztpraxen und Kliniken häufig nicht ernst genommen. Studien zeigen, dass Frauen bei Schmerzen seltener wirksame Medikamente erhalten als Männer, später behandelt werden und häufiger mit psychosomatischen Erklärungen vertröstet werden.

Dass das gravierende Folgen für die Therapie und für die Lebensqualität der Betroffenen haben kann, wurde auf dem jährlichen Schmerzkongress Ende 2025 betont. Schmerzmediziner berichteten dort, wie gravierend der sogenannte „Gender Pain Gap“ ist.

Viele Studien zeigen, dass Frauen häufiger unter chronischen Schmerzen leiden als Männer. So erleben Frauen etwa Migräne dreimal so oft, haben häufiger Rückenschmerzen, Reizdarm, rheumatische Erkrankungen oder eine schmerzhafte Blasenentzündung. Auch neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) sind bei Frauen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes deutlich weiter verbreitet als bei Männern.

Die Ursachen sind komplex: Hormone wie Östrogen beeinflussen das Schmerzempfinden. Während Testosteron schmerzhemmend wirkt, steigert Östrogen die Schmerzempfindlichkeit. Im Zyklusverlauf, besonders um den Eisprung, ist die Schmerztoleranz bei Frauen am niedrigsten. Nach den Wechseljahren verändert sich das Schmerzprofil oft erneut. Die Toleranz sinkt und bestimmte Schmerzarten treten folglich häufiger auf.

Nicht nur biologisch, auch sozial und kulturell zeigen sich Unterschiede: Männer gelten als „hart im Nehmen“, Frauen dagegen als „empfindlich“. Diese geschlechtsspezifischen Stereotype beeinflussen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch Ärzte. Studien belegen: Schmerzäußerungen von Frauen werden systematisch unterschätzt, von medizinischem Fachpersonal ebenso wie von Laien.

Das hat direkte Auswirkungen: In mehreren internationalen Untersuchungen bekamen Frauen mit identischen Symptomen seltener Schmerzmittel verschrieben, insbesondere starke Schmerzmittel wie Opioide. Sogar Ärztinnen selbst behandelten weibliche Patienten tendenziell zurückhaltender als Ärzte.

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