Von den befragten Muslimen berichteten 28,6 Prozent von Diskriminierung in den letzten zwölf Monaten. Damit ist der Anteil deutlich höher als unter den Nichtmuslimen (10,4 Prozent). Ein besonders hoher Anteil von Betroffenheit findet sich unter muslimischen Frauen, die Kopftuch tragen. Mehr als 38 Prozent der Teilnehmerinnen der Befragung, die dieser Gruppe angehören, wurden demnach nach eigener Einschätzung binnen eines Jahres diskriminiert.
Laut Studie nannten 40,7 Prozent der Befragten mit Diskriminierungserfahrung den Bereich „Güter und Dienstleistungen“ als Lebensbereiche, in denen sie Diskriminierung erlebt haben. Ähnlich hoch (39,2 Prozent) ist der Anteil jener, die das Arbeitsleben nannten. Auf der Straße kam es demnach bei 41,5 Prozent der Betroffenen zu Diskriminierung, in öffentlichen Verkehrsmitteln bei 20,6 Prozent. 19,5 Prozent derjenigen, die sich ungleich behandelt fühlten, berichteten von entsprechenden Erfahrungen im Umgang mit Ämtern, Behörden und der Polizei.
Die Mehrheit der Menschen in Deutschland, die Diskriminierung erleben, unternimmt nichts, laut Studie 56 Prozent. Knapp 30 Prozent der Betroffenen gaben an, sie hätten den Menschen oder die Stelle darauf angesprochen. Eine offizielle Beschwerde reichten 8,1 Prozent derjenigen, die sich diskriminiert fühlten, ein.
Knapp jeder zehnte (9,8 Prozent) Betroffene suchte selbst Informationen zu rechtlichen Möglichkeiten. Rechtliche Beratung nutzten 5,7 Prozent der Menschen, die sich diskriminiert fühlten. Nur 2,6 Prozent der Menschen mit Diskriminierungserfahrung leiteten in der Folge rechtliche Schritte ein. Vor allem jüngere Menschen setzen sich den Angaben selten juristisch zur Wehr setzen.
Das SOEP ist eine der zuverlässigsten und umfassendsten Quellen für sozialwissenschaftliche Forschung in Deutschland. Die hohe Fallzahl von jährlich etwa 30.000 Menschen und die Befragung derselben Personen beziehungsweise Haushalte über mehrere Jahre hinweg ermöglicht Aussagen zu langfristigen Trends. Der Aufwand für die Gewichtung, Plausibilitätsprüfungen und der Abgleich mit anderen Datenquellen haben zur Folge, dass die Veröffentlichung der Ergebnisse jeweils mit einer gewissen Verzögerung erfolgt.
