Ihr erster Auftritt als neue Kommissarin im „Tatort“ aus Nürnberg steht bevor. Vor der besonderen TV-Ausstrahlung spricht Rosalie Thomass mit t-online über Verantwortung und Neugier.

Menschen in Schubladen stecken, Vorurteile haben – das prägt wohl für die meisten den Alltag und passiert dabei häufig unterbewusst. Schauspielerin Rosalie Thomass, die am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, im Ersten ihr Debüt als „Tatort“-Ermittlerin im Fall „Gottesgarten“ feiert, versucht, sich davon freizumachen. Wie ihr das gelingt, verrät sie im Interview mit t-online.

Zudem spricht die 39-Jährige über Gegenreaktionen zu gesellschaftlich wichtigen Errungenschaften, ihre neue Rolle und welche Verantwortung damit für sie einhergeht.

t-online: Der „Tatort“ ist eines der bekanntesten und langlebigsten Formate im deutschen Fernsehen. Was bedeutet es Ihnen, nun „Tatort“-Ermittlerin zu sein?

Rosalie Thomass: Für mich bedeutet das vor allem, eine Regelmäßigkeit in meinem Berufsleben zu haben, die ich so noch nie hatte. Auch die Möglichkeit, eine Rolle über längere Zeit zu entwickeln, ist für mich neu und das empfinde ich als etwas ganz Besonderes.

Schon im ersten Fall deutet sich an, dass Ihre Rolle, die Ermittlerin Emilia Rathgeber, eine schwierige familiäre Geschichte hat. Hatten Sie bei der Entwicklung der Figur Mitspracherecht?

Ich war eingeladen, gemeinsam mit dem Team kreativ zu sein. Es ist ja eine besondere Situation: Emilia tritt nicht in ein komplett neues Team ein, sondern ergänzt ein bestehendes Ensemble, das bereits von Fabian Hinrichs, Eli Wasserscheid und anderen geprägt ist. Das hat meine Kreativität noch mehr beflügelt.

  • Rosalie Thomass: Er ist ihr berühmter Mann
„Tatort: Gottesgarten“: Da Felix Voss (Fabian Hinrichs) Geburtstag hat, reicht ihm Emmy Rathgeber (Rosalie Thomass) die Hälfte ihres Blumenstraußes, den sie zur Begrüßung erhalten hat. Darüber muss Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) schmunzeln. (Quelle: BR/Hendrik Heiden)

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrer Figur?

Es gibt immer Überschneidungen zwischen mir und meinen Rollen. Ich glaube, dass wir alles in uns tragen und ich für jede Rolle etwas aus mir selbst hervorhole. Mal muss ich tiefer graben, mal liegt es näher an der Oberfläche. Konkret verbindet mich mit Emilia die Neugier, die dazu führt, dass wir Menschen nicht vorschnell bewerten. Das ist in unseren beiden Berufen sehr hilfreich.

Als Schauspielerin kann ich mich besser in eine Figur hineindenken, wenn ich mich frage, warum sie sich auf eine bestimmte Weise verhält, anstatt sie zu bewerten. Und ich glaube, auch eine Ermittlerin braucht diese Fähigkeit. Sie muss offen sein, auch für menschliche Abgründe.

(Quelle: IMAGO/Christopher Tamcke)

Zur Person

Rosalie Thomass (*1987) spielte bereits als Kind an verschiedenen Theatern ihrer Heimatstadt München. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Rollen im „Polizeiruf 110: Er sollte tot“ und im TV-Zweiteiler „Emilia“. Auch in Filmen wie „Grüße aus Fukushima“ und „Eine unerhörte Frau“ spielte sie Hauptrollen, 2020 war sie im Fernsehdreiteiler „Unterleuten – Das zerrissene Dorf“ zu sehen. Thomass ist mit zahlreichen wichtigen Preisen ausgezeichnet. Sie ist mit dem Regisseur Aron Lehmann liiert, mit dem sie zwei Kinder hat. Thomass ist derzeit im Kinofilm „Lügen über meine Mutter“ zu sehen.

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