„Die wollten den Tod nicht sehen“, warf van Aken Bundestagsabgeordneten anderer Parteien vor, als Lanz konkret auf den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zu sprechen kam. Kiesewetter räumte ein, dass damals Fehler gemacht wurden, auch von der militärischen Führung. „Wir waren beseelt vom friedlichen Wiederaufbau“, sagte der Oberst a.D. Das habe sich allerdings nicht mit der Lebenswirklichkeit der Soldaten gedeckt, die sich in Afghanistan in Kriegssituation wiedergefunden hätten, noch dazu unzureichend ausgerüstet.
Bei der von der Bundesregierung geplanten massiven Aufrüstung der Bundeswehr gehe es nicht nur um die nötige EU- und Landesverteidigung, warnte van Aken. Stattdessen werde die deutsche Armee für eine weltweite Kriegstüchtigkeit ausgebaut. Als Beispiel nannte der Linken-Politiker die Fregatten vom Typ F125. Diese könnten 365 Tage unterwegs sein, ohne den Heimathafen anzulaufen (tatsächlich ist die sogenannte Baden-Württemberg-Klasse auf Einsätze bis zu zwei Jahre ausgelegt). „In der Ostsee brauche ich das nicht“, sagte van Aken und wandte sich gegen eine Armee, die eine „vierte Supermacht“ sein wolle.
Major wies darauf hin, dass die Bundeswehr in die Nato-Bündnisverteidigung eingespannt ist. Deutschland verteidige damit nicht nur sich allein, sondern viele weitere Länder. Ein Beispiel: Die Fregatte „Baden-Württemberg“ war im April 2025 nach 17 Monaten erstmals nach einem solch intensiven Einsatz zurückgekehrt. Sie hatte laut Bundeswehr unter anderem im Rahmen der UN-Mission UNIFIL vor der libanesischen Küste patrouilliert und zeigte mit Verbündeten Präsenz im Indo-Pazifik, auch, um dort wichtige Handelsrouten zu schützen.
Van Aken nannte es bei „Markus Lanz“ hingegen einen historischen Fehler, weiterhin auf die Nato zu setzen. „Das ist von vorgestern“, sagte der Linken-Chef mit Blick auf US-Präsident Donald Trump. Major räumte ein, es gebe mittlerweile „enorme Zweifel“ daran, ob die USA das Nato-Gebiet wenn nötig mit Atomwaffen verteidigen würden.
Eine eigene deutsche Atombombe kann nach Ansicht Majors aber nicht die Antwort sein und wäre ihrer Ansicht nach sogar eine gefährliche und antieuropäische Fehlentscheidung, die lediglich die Illusion von Sicherheit vermittele. Vielmehr gehe darum, die USA so lange wie möglich dabei zu halten und die nukleare Abschreckung um Frankreich und das Vereinigte Königreich herum aufzubauen.
Kiesewetter forderte, bei den Hunderttausenden von ukrainischen Soldaten eine Retraumatisierung nach der Rückkehr ins zivile Leben zu verhindern. Dafür müsse ein Diktatfrieden verhindert und Perspektiven für den Wiederaufbau gegeben werden. Wiederaufbau sei keine Traumabewältigung, widersprach van Aken und kritisierte, Bundeswehrsoldaten seien von der Regierung alleingelassen worden.
