Andreas Dresen ist einer der renommiertesten Filmemacher des Landes. Im Interview spricht er über die Rente, räumt mit Missverständnissen über den Osten auf und sagt, was er gegen Markus Lanz hat.

Er ist 1963 in Thüringen geboren und wuchs in der DDR auf: Andreas Dresen. In seinem ersten Kinofilm reflektierte der Regisseur im Jahr 1992 in ironischer Weise die Wirren der Wende. Die Ost-West-Thematik hat ihn bis heute nicht losgelassen und prägt auch seine neueste Erzählung im Kinofilm „Alte Liebe“. Dresen, der zehn Jahre lang Laienrichter am Verfassungsgericht in Brandenburg war, nimmt im Interview zu den dringlichsten Themen der Gegenwart Stellung.

t-online: Herr Dresen, haben Sie Angst vor dem Älterwerden?

Andreas Dresen: Nein, überhaupt nicht. Wie kommen Sie darauf?

Sie sind dieses Jahr 63 Jahre alt geworden – und da die „Rente mit 63“ derzeit so prominent diskutiert wird, dachte ich, das Älterwerden beschäftigt Sie.

Ich habe aber noch nie gedacht, dass ich mit 63 in Rente gehe. Das kann ich mir nicht vorstellen.

„Stilles Land“: Dresens erster Kinofilm im Jahr 1992, hier an der Seite seines Kameramanns Andreas Höfer (r.). (Quelle: IMAGO/United Archives/Publicity Still)

Zunächst einmal gehöre ich dem ersten Jahrgang an, der tatsächlich erst mit 67 in Rente geht. Außerdem bin ich selbstständig. Ich hoffe, dass ich den Übergang nicht so stark merke und vielleicht noch den einen oder anderen Film machen kann – falls sich die Situation in der Branche etwas verbessert.

Ist die Lage so fragil, dass Sie sich als Autorenfilmer oft Gedanken darüber machen müssen, wie man sich finanziell absichert?

Natürlich. Ich habe über die Künstlersozialkasse immer in die Rentenversicherung eingezahlt. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen. Reich sind wir in unserer Branche jedenfalls nicht. Ich hoffe natürlich, dass mein neuer Film „Alte Liebe“ so durch die Decke geht, dass damit ein grandioser Lebensabend finanziert ist. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Womit wir wieder beim Älterwerden wären …

Mir geht es da nicht anders als vielen anderen Menschen: Man muss sehen, wie man diese Zeit würdevoll gestaltet. Im Moment mache ich mir noch keine allzu großen Sorgen.

Viele Menschen haben jahrzehntelang gearbeitet und fragen sich dann, was nach dem Berufsleben kommt. Dazu kommen Einsamkeit im Alter und die Sorge, gesundheitlich nicht mehr viel vom Ruhestand zu haben. In Ihrem neuen Film „Alte Liebe“ steht Ihre Hauptfigur Lore sinnbildlich für dieses Dilemma.

Meine beiden Hauptfiguren haben nicht im Stahlwerk oder als Gerüstbauer gearbeitet. Er war im Bauamt, sie ist Bibliothekarin. Aber die Frage, wie man damit umgeht, plötzlich scheinbar keine Aufgabe mehr zu haben, ist herausfordernd. Das treibt Lore im Film um und stürzt sie in eine Krise: Sie hat keine Vorstellung davon, wie das Leben mit Harry aussehen wird, den sie seit 40 Jahren kennt. Er hat seinen Garten und sich dort eine eigene Welt geschaffen. In ihr dagegen sind noch Unruhe und das Gefühl, unentbehrlich zu sein.

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