Im Stream

Dieser DDR‑Film durfte 16 Jahre lang nicht gezeigt werden


Aktualisiert am 25.07.2026 – 13:30 UhrLesedauer: 2 Min.

„Der Schlüssel“: Schauspieler Jaecki Schwarz spielte die Hauptrolle in dem verbotenen DDR-Film. (Quelle: PR-bilder)

Zu brisant für die DDR-Spitze: 16 Jahre lang blieb das Drama „Die Schlüssel“ unter Verschluss und durfte nicht in den Kinos aufgeführt werden.

Kann ein stilles Drama für lauten Aufruhr sorgen? In der DDR war das möglich. Das große Ringen um die Veröffentlichung des Filmes „Die Schlüssel“ erregte Aufsehen.

Nach langer Produktionsphase erfolgte die Filmpremiere am 21. Februar 1974 im Berliner Kino International. Doch nach kurzer Laufzeit in wenigen Kinos verschwand er 1980 endgültig aus dem Programm.

Darum geht es in „Die Schlüssel“

Das junge Paar Ric (Jutta Hoffmann) und Klaus (Jaecki Schwarz) will etwas erleben. Der gemeinsame Urlaub steht bevor, der das Paar nach Polen führen soll. Freier und wilder als ihre Heimat wächst die Vorfreude auf neue Eindrücke und Unbekanntes. Als sie die Bekanntschaft mit einem anderen Paar machen, die ihnen die Schlüssel zu ihrer Wohnung anvertraut, scheint das Abenteuer perfekt.

Die Erfahrungen im Ausland erweisen sich für Ric und Klaus jedoch als Herausforderung. Neue Bekanntschaften und das Erkunden einer für sie fremden Kultur entfachen erste Konflikte zwischen den Verliebten. Gegensätzliche Lebensentwürfe und die Suche nach den eigenen Wünschen lassen dunkle Wolken über dem Urlaub aufziehen.

Wie sehenswert ist „Die Schlüssel“?

Die Kritiker der Filmzeitschrift „Cinema“ vergeben für das Werk von Regisseur Egon Günther 5 von 5 Punkten. Besonders die improvisierten Geschehnisse, die für Lebendigkeit und Spontanität im Film sorgen, machen das Drama besonders. Zudem baut der dokumentarische Stil Nähe zur Realität auf. Die internationale Filmdatenbank „IMDb“ vergibt 6,6 von 10 möglichen Sternen.

Auf den verschiedenen Streamingportalen steht „Die Schlüssel“ derzeit nicht zur Verfügung. Die DEFA-Filmwelt bietet das Drama jedoch kostenfrei über das Videoportal YouTube an.

Keine Aufführung in der DDR

Obwohl die Produktionsvorbereitungen für „Die Schlüssel“ in einer Zeit stattfanden, in der sich Polen und Deutschland wieder näherten, war der endgültigen Version kein Glück beschert. Denn die politischen Spannungen zwischen der DDR und dem Nachbarland blieben weiterhin bestehen und sorgten für zahlreiche Schnitte und Kürzungen in mehreren Schnittfassungen.

Mehrere Szenen wurden auf Drängen polnischer Funktionäre entfernt. Wie die DEFA-Stiftung berichtet, war die Angst vor einer falschen Darstellung politischer und kultureller Gegebenheiten zu groß. Zwischen 1974 und 1980 lief „Die Schlüssel“ ausschließlich in ausgewählten DDR-Kinos an. Eine generelle Exportsperre erhielt das Drama von Beginn an und durfte nicht ins Ausland lizenziert werden.

Im Jahr 1980 verschärfte sich die politische Stimmung. Im Rahmen der polnischen Solidarność-Bewegung hob die DDR-Regierung den visa- und passfreien Reiseverkehr auf, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk MDR berichtet. In diesem Zuge sprachen die Verantwortlichen auch ein Aufführungsverbot für „Die Schlüssel“ aus. Eine Ausstrahlung im DDR-Fernsehen erfuhr Egon Günthers Film nie.


Erfahren Sie mehr zu unseren Affiliate-Links

Wenn Sie über diese Links einkaufen, erhalten wir eine Provision, die unsere redaktionelle Arbeit unterstützt. Der Preis für Sie bleibt unverändert. Diese Affiliate-Links sind durch eingekennzeichnet.


Share.
Die mobile Version verlassen