
Spektakulärer Einsatz in München
Retter stolz – „A Werbung war’s koa schlechte“
Aktualisiert am 26.11.2025 – 07:41 UhrLesedauer: 3 Min.
Enge Gitter, wackelige Seile, und eine Patientin, die am Karabiner baumelt: Aufgrund von beengten Bedingungen mussten Münchens Höhenretter kreativ werden.
Mit einem spektakulären Höhenrettungseinsatz hat die Münchner Feuerwehr am Sonntag eine verletzte Frau vom Turm des Alten Peters geborgen. Der Einsatz in rund 60 Metern Höhe direkt über dem Marienplatz dauerte etwa eine Stunde.
„Nein, das war wirklich kein gewöhnlicher Einsatz“, sagt Thomas Reithmeier, Höhenretter bei der Berufsfeuerwehr München. Weil die Trage nicht durch das enge Treppenhaus der Kirche passte, errichteten die Retter kurzerhand eine temporäre Seilvorrichtung mit Flaschenzügen und Seilen über dem Turmgeländer – und ließen die Gestürzte hängend hinabgleiten.
Was die Sache zusätzlich brisant machte: Der Einsatz spielte sich direkt über dem belebten Marienplatz ab – mit vielen Schaulustigen. „Wo wir raufgekommen sind, ist von der Pressestelle schon die Drohne über uns gestanden – da haben wir gewusst, da schauen viele zu“, erzählt Reithmeier. Sein Rezept gegen Nervosität: „Man muss einfach ruhig bleiben, immer alles doppelt und dreifach kontrollieren, auch wenn der Notarzt sagt, es pressiert.“
Die Feuerwehr hatte zwar einen ähnlichen Fall vor zwei Jahren, dennoch sei jeder Einsatz dieser Art wieder hochkomplex. „Man weiß nie, ob alle Fixpunkte halten. Und das Wichtigste ist immer: dass niemandem was passiert – weder der Patientin noch im Team.“
Höchste Konzentration war gefragt – vor allem, weil der Platz auf der Aussichtsplattform knapp ist. „Da ist oben ein kleines Loch drin in dem Gitter, das außen um den Turm herumgeht. Gerade so, dass die Trage durchgeht, etwa ein dreiviertel Meter auf einen dreiviertel Meter“, schildert Reithmeier. Als Fixpunkte nutzte das Team mehrere Zaunpfosten, die zusammen als Zentralpunkt dienten.
„Der ganze Balkon ist ja eingefasst wie ein Eisenkäfig, und oben ist noch ein Dach drüber aus Eisenstäben, damit niemand drüberkraxeln kann“, beschreibt er die beengten Bedingungen. „An dem Dach haben wir zwei Flaschenzüge festgemacht und mit dem Flaschenzug die ganze Trage angehoben, und dann haben wir sie durch das Loch durchgeschoben, in die Seilbahn eingehängt und nach unten gebracht.“
Bei der Abseilung hing ein Kollege neben der Trage, um der 35-jährigen Frau beizustehen. „Das Problem ist der Übergang, bis man frei im Seil hängt“, sagt Reithmeier. „Davor ruckelt es, gibt leichte Stöße, sackt etwas nach, und wenn man da drin liegt, fühlt sich das wahnsinnig grausig an. Für die Patientin war das am Anfang wirklich schlimm.“
Ein ähnlicher Einsatz sei vor zwei Jahren bereits erfolgt, im vergangenen Jahr wurde das Vorgehen geübt. Routine sei das trotzdem nicht, betont Reithmeier: „Da ist man immer froh, dass der Patientin und den Leuten im Team nichts passiert ist – die haben ja alle Familie daheim.“











