Blackout in Reutlingen

Feuer in Umspannwerk – Ermittler gehen von Brandstiftung aus

Aktualisiert am 09.06.2026 – 18:44 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung hatten sich schnell verdichtet. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa/dpa-bilder)

War es ein Anschlag auf Stromversorgung? Nach dem Brand in Reutlingen suchen Ermittler nach Spuren. Erinnerungen an Berliner Vorfälle werden wach – und der oder die Täter sind bislang unbekannt.

Nach einem Feuer in einem Umspannwerk in Reutlingen und einem daraus folgenden großflächigen Stromausfall hat sich der Verdacht auf Brandstiftung erhärtet. Davon gehe man inzwischen vor dem Hintergrund der bisherigen vorläufigen Ermittlungsergebnisse aus, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit.

Ein oder mehrere bislang noch unbekannte Täter seien nach derzeitigem Stand auf das Gelände eingedrungen, um dort an mehreren Stellen Brände zu legen. Dabei soll Brandbeschleuniger verwendet worden sein, hieß es. Die Ermittler bitten alle, die in der Nähe des Umspannwerks verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen haben, sich bei ihnen zu melden.

Zehntausende Menschen ohne Strom

Der Brand im Umspannwerk Reutlingen-West war in der Nacht zum 8. Juni ausgebrochen. In der Folge war das Umspannwerk ausgefallen, auch eine weitere Anlage wurde in Mitleidenschaft gezogen. 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen waren über Stunden ohne Strom. Auch ein Krankenhaus sowie Firmen waren betroffen. Rund 50 verbliebene Stromkunden in einem Gewerbegebiet sollen am Mittwoch wieder ans Netz angeschlossen werden.

Der Netzbetreiber Netze BW geht davon aus, dass die Reparaturen der Anlage mehrere Wochen oder gar Monate dauern könnte. Der Gesamtschaden dürfte sich früheren Angaben zufolge auf mehrere Millionen Euro summieren.

Die Polizei ermittelt nach dem Brand am Umspannwerk. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa/dpa-bilder)

Schnell hatten sich die Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung verdichtet, nachdem ein mutmaßlicher Brandbeschleuniger gesichert worden war. Drei verschiedenen Brandstellen waren nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW gefunden und der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt.

Aber wer steckt hinter der Attacke? Das Ermittlungsverfahren wird beim Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft geführt. Der Grund: Der Tat liege möglicherweise eine extremistische Motivation zugrunde. Bislang haben die Ermittler aber keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund. Ein Bekennerschreiben hatte es nicht gegeben. Reutlingen hat insgesamt knapp 120.000 Einwohner und liegt am Fuße der Schwäbischen Alb.

Erinnerungen an Berliner Brandanschläge

Der Vorfall erinnert an zwei mutmaßlich von Linksextremisten begangene Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin. Nach dem ersten Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe ohne Strom. Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden, erst am Nachmittag des 11. September waren alle Haushalte wieder am Netz.

Beim zweiten Anschlag am 3. Januar wurden 15 Kabel auf einer Kabelbrücke zerstört. Erst am 7. Januar, also nach rund 100 Stunden, war die Stromversorgung wieder flächendeckend hergestellt.

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