Absolut. Ich glaube, jeder hört an meiner Stimme, dass ich keine ältere Frau bin.

Aber in dem Moment, als mir eröffnet wurde, dass mein Sohn jemanden tödlich verletzt haben soll, habe ich versucht, mit der Stimme zu zittern und aufgelöst zu wirken. Da habe ich mich dann also schon etwas verstellt. Und das habe ich drei Stunden lang so durchgezogen.



Jeder hört an meiner Stimme, dass ich keine ältere Frau bin


Felix haas


Drei Stunden sind eine lange Zeit. Wie haben sie die erlebt?

Es war eine unglaubliche psychische Belastung. Die Täter blieben permanent in der Leitung. Zwischendrin gab es nur kleine Pausen von 30 bis 60 Sekunden. Die Zeit habe ich dann genutzt, um mit einem anderen Telefon die echte Polizei zu rufen. Die Täter haben dann immer mehr Geld gefordert. Ich sollte überall nachschauen, im Nachttischkästchen, in alten Sachen. Und dadurch, dass ich ja alles gespielt habe, musste ich extrem aufpassen, keine Patzer zu machen. Aus den angeblich sieben Goldmünzen, von denen ich ihnen erzählt hatte, durften also nicht neun werden. Oder aus den 83.000 Euro in bar nicht plötzlich 73.000.

Und dann kam es letztlich zur persönlichen Übergabe?

Erst war geplant, dass wir die Tüte mit den Wertgegenständen irgendwo deponieren, ganz ohne persönlichen Kontakt. Aber kurz vor der Übergabe wollten die Täter dann doch, dass ich persönlich vor die Tür gehe.

Das war sicherlich sehr aufregend für Sie.

Ja, ich war während der gesamten drei Stunden vollgepumpt mit Adrenalin, aber das war definitiv der Höhepunkt. Ich musste möglichst schnell passende Bekleidung finden. Ich bin zum Schrank meiner Oma und habe Kleider von ihr genommen, die mich weiblich wirken ließen. Ein Kopftuch, einen Schal, gestrickte Socken, eine Krücke hatte ich auch noch. In der Zwischenzeit musste ich die ganze Zeit die Polizei auf dem Laufenden halten.

Wie waren dann die entscheidenden Sekunden?

Der Täter hat per Telefon die Anweisung gegeben, dass ich sofort vor die Haustür gehen solle. Ich bin dann in gebückter Haltung mit einer Tüte vor die Tür gehumpelt. Im Augenwinkel habe ich dann schon den Betrüger gesehen. Ich habe die Knie angezogen, mich klein gemacht und zum Boden geschaut. Der Mann hat sich dann den Beutel geschnappt und wollte abhauen.

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