
Die FDP will 2026 wieder durchstarten. Viel Neues liefert Parteichef Dürr dafür am Dreikönigstag nicht. Für mehr Sehnsucht nach den Liberalen könnte es aber trotzdem reichen.
Ja, man hat das alles schon mal gehört. Nein, jenseits der Muppet-Show-Einlage von Wolfgang Kubicki und Marie-Agnes Strack-Zimmermann überrascht nur wenig von dem, was Parteichef Christian Dürr am Dienstag beim FDP-Dreikönigstreffen in Stuttgart zum Besten gibt. Wer ein hartes Urteil fällen wollte, könnte fix schreiben: Für einen echten liberalen Neustart war das zu wenig, Chance vertan – die von Dürr beschworene „radikale Mitte“, sie ist auch nur oller gelber Wein in neuen Schläuchen. Bislang zumindest.
Mit etwas mehr Sanftmut lässt sich aber ebenso festhalten: Erstens kann ja, was nicht ist, noch werden. Und zweitens sind – so abgestanden sie auf manchen wirken mögen – die Positionen der Liberalen an vielen Stellen nach wie vor richtig. Und sie werden schmerzlich vermisst. Die Sätze, die Dürr seinem Publikum teils lautstark entgegendonnert, fallen nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag zu selten im politischen Diskurs.
„Der Staat weiß nicht am besten, welche Antriebsart sich im Auto der Zukunft durchsetzt.“ Stimmt! „Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft, darum muss jedes Kind, das eine Grundschule besucht, Deutsch sprechen.“ Richtig! „Wie wäre es, wenn wir alle Gesetze, die seit 2000 beschlossen wurden, auslaufen lassen und nur die erneuern, die sinnvoll sind?“ Ja, bitte, gute Idee!
Dass die Rhetorik des neuen FDP-Chefs dabei streckenweise fast erschreckend klingt wie die des alten; dass man bei geschlossenen Augen und nur halbem Zuhören tatsächlich glauben könnte, da spricht nicht Christian Dürr, sondern immer noch Christian Lindner – geschenkt. Dürr adressiert mit seiner Rede das liberale Herz. Er liefert die nötige Selbstvergewisserung, wo zuvor seine Generalsekretärin Nicole Büttner mit Berichten aus der Welt der Künstlichen Intelligenz, wo die Unternehmerin herkommt, Visionen für die Zukunft ausgemalt hat.
Umwerfend, revolutionär ist an all dem, sieht man von dem Gesetze-auslaufen-lassen-Vorschlag mal ab, zwar nur wenig. Auch nach dem diesjährigen Dreikönigstag werden sich immer noch viele fragen, was diese „radikale Mitte“ eigentlich sein soll. Das Gefühl aber, das Dürr und Büttner vermitteln, dürfte nicht wenige ansprechen:
Die FDP fehlt im Bundestag, ihre Position fehlt in vielen gesellschaftlichen Debatten. Man muss sie nicht zwangsläufig als die Regierungspartei betrachten, die sie jahrzehntelang fast automatisch war. Erst in der Ampel hat sie abermals gezeigt, dass sie zum Gestalten (und vor allem: zum Gestalten-Lassen) nicht ausreichend taugt. Als Korrektiv aber zu dem, was Dürr etwas zu abfällig die „Status-quo-Parteien“ nennt, braucht es eine liberale Stimme in Deutschland.