Trotz Wahlschlappe
FDP-Chef Dürr will weitermachen
Aktualisiert am 09.03.2026 – 12:47 UhrLesedauer: 3 Min.
FDP-Chef Dürr will sein Amt weiter ausüben. Doch lässt der Bundesvorstand ihn auch? In der laufenden Sitzung könnte es zum Aufstand kommen.
Der Parteivorsitzende der FDP, Christian Dürr, will trotz der Wahlniederlage der Liberalen in Baden-Württemberg weitermachen. „Ich prüfe mich selbstkritisch“, sagte Dürr am Montag auf Nachfrage von Journalisten in Berlin. Er sei allerdings überzeugt, dass die FDP sich erneuern müsse, und erklärte: „Ich will diese Erneuerung weiter vorantreiben.“
Baden-Württembergs FDP-Chef, Hans-Ulrich Rülke, bekräftigte in Berlin derweil, was er bereits am Wahlabend verkündet hatte: Er wolle die persönliche Verantwortung für den Wahlausgang übernehmen und trete darum von seinen Ämtern zurück.
Dürr räumte ein, dass die FDP nach dem gescheiterten Wiedereinzug in den Bundestag im vergangenen Jahr „noch nicht an dem Punkt ist, wo wir wieder Wahlen erfolgreich bestreiten können“. Dies wolle er aber ändern. Dafür müsse die FDP „für eine radikal andere Politik stehen, als es CDU, SPD und Grüne tun“, also Parteien, „die man manchmal auch etabliert nennt“. Konkret forderte Dürr unter anderem „ein anderes Sozialsystem“ für Deutschland.
Die FDP war in ihrem Stammland Baden-Württemberg erstmals an der Fünfprozenthürde gescheitert. Mehrere FDP-Politikerinnen und Politiker, darunter Präsidiumsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann, gingen daraufhin auf Distanz zu Dürr. Personaldebatten ließen sich „nach solchen Niederlagen nicht einfach wegmoderieren“, sagte Strack-Zimmermann der Funke Mediengruppe.
Dürr rief derweil zur Geschlossenheit auf: „Wir wollen als Team im Präsidium gemeinsam für den Erfolg der FDP kämpfen.“ Für die FDP sei es „kein leichter Weg“, doch dieser Aufgabe wolle er sich stellen.
Ob dieser Aufruf verfängt, wird am Montag die Sitzung des Bundesvorstands zeigen. Seit 12 Uhr schaltet sich das große Führungsgremium der Partei zusammen, viele Vorstände werden auch in Berlin vor Ort sein. t-online-Informationen zufolge könnten dabei eine ganze Reihe von ihnen Dürr offen zum Rücktritt auffordern, den er vor der Presse zunächst ausgeschlossen hat.
Diskutiert wird nach Angaben mehrerer Parteiinsider die Möglichkeit, schon beim nächsten regulären Parteitag Ende Mai, an dem eigentlich keine Wahl des Spitzenpersonals geplant ist, eine außerordentliche Neuwahl des gesamten Parteivorstands anzustreben. Offen ist in diesem Szenario, ob Dürr dann bereits jetzt oder erst nach der absehbaren Niederlage bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz seinen Hut nehmen muss und die Partei bis Ende Mai nur noch kommissarisch weiterführt. Als potenzieller Kandidat, der Dürr ablösen könnte, gilt unter anderem Henning Höne, der Fraktionschef der Liberalen im Landtag von Nordrhein-Westfalen.
Ebenso möglich erschien vor der Sitzung jedoch auch, dass Dürr ein Vertrauensvotum fordert, um die Reihen hinter sich zu schließen und einen möglichen Sturz zu verhindern. Dem Vernehmen nach soll sich in der Präsidiumssitzung, die bereits früher am Vormittag stattfand, unter anderem Parteigrande Wolfgang Kubicki zunächst hinter Dürr gestellt haben.
