EZB-Chefin Christine Lagarde verdient wohl deutlich mehr als bekannt

Bericht enthüllt

EZB-Chefin verdient wohl deutlich mehr als bekannt

02.01.2026 – 21:55 UhrLesedauer: 2 Min.

Christine Lagarde: Die EZB-Chefin könnte bis zum Ende ihrer Amtszeit rund 6,5 Millionen Euro verdienen. (Quelle: IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegand/imago)

EZB-Präsidentin Christine Lagarde verdient laut einer Analyse deutlich mehr als offiziell ausgewiesen. Die Europäische Zentralbank gerät damit wegen mangelnder Transparenz in die Kritik.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat 2024 deutlich mehr verdient, als aus den offiziellen Angaben der Notenbank hervorgeht. Nach einer Analyse der „Financial Times“ belief sich ihre Gesamtvergütung auf rund 726.000 Euro – etwa 56 Prozent mehr als das von der EZB ausgewiesene Grundgehalt von 466.000 Euro.

Damit verdient Lagarde fast viermal so viel wie der Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, Jay Powell. Dessen Gehalt ist gesetzlich gedeckelt und liegt derzeit bei umgerechnet rund 173.000 Euro. Lagardes Grundgehalt allein macht sie zur bestbezahlten Amtsträgerin in der Europäischen Union, noch vor EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Zu Lagardes Einkommen kommen laut FT geschätzte Zusatzleistungen von rund 135.000 Euro hinzu, etwa für Wohnen und weitere Vergünstigungen. Diese werden im EZB-Jahresbericht nicht individuell ausgewiesen. Hinzu kommen weitere rund 125.000 Euro für ihre Tätigkeit im Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Auch diese Einkünfte tauchen nicht separat in den EZB-Unterlagen auf.

Die Berechnungen der „Financial Times“ stützen sich auf Geschäftsberichte der EZB und der BIZ sowie auf interne Dokumente zu den Vergütungsregeln. Nicht berücksichtigt sind Pensionsbeiträge sowie Kosten für Gesundheitsversorgung, da hierzu keine vollständigen Daten vorliegen.

Kritik kommt aus der Politik. Fabio De Masi, Europaabgeordneter und Vorsitzender des Bündnis Sahra Wagenknecht, sprach von einem „Skandal“. Es sei problematisch, dass etwa der Vorstandschef der Deutschen Bank detailliertere Angaben zu seinem Gehalt mache als die Präsidentin der EZB. De Masi forderte, die Notenbank solle sich an den Offenlegungsstandards börsennotierter Unternehmen orientieren.

Die EZB erklärte, das Gehalt ihrer Präsidentin sei bei der Gründung der Notenbank 1998 festgelegt und nur im Rahmen allgemeiner Gehaltsanpassungen verändert worden. Die Offenlegung entspreche den Standards vieler internationaler Institutionen, zudem habe man die Transparenz schrittweise erhöht. Zu den konkreten Berechnungen äußerte sich die EZB nicht.

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