Ex-Verfassungsschutzchef
„Die AfD ist in Ostdeutschland eine rechtsextremistische Volkspartei“
Aktualisiert am 13.03.2026 – 04:47 UhrLesedauer: 2 Min.
Jörg Müller stärkte den Verfassungsschutz, stufte die AfD als rechtsextrem ein – und wurde gefeuert. Nun fordert er etwas, das viele überraschen dürfte.
Jörg Müller, der frühere Chef des Brandenburger Verfassungsschutzes, hat die Strategie demokratischer Parteien im Umgang mit der AfD scharf kritisiert. „Die Brandmauer gegen die AfD funktioniert nicht“, sagte Müller dem Tagesspiegel. „Sie ist viel zu starr, zu pauschal und unflexibel für die moderne Zeit, für gesellschaftliche Stimmungen. Diese Brandmauer bewirkt das Gegenteil. Denn sie grenzt und schließt auch die Wähler der AfD aus. Und das ist der Fehler.“
Trotz seiner Kritik an der Abgrenzungsstrategie warnt Müller eindringlich vor der Partei. Er hält es für „eine reale Gefahr“, dass die AfD bei der Landtagswahl 2029 in Brandenburg die absolute Mehrheit erreichen könnte. Die Partei liege derzeit bei 35 Prozent – so viel wie SPD und CDU zusammen, die aktuell koalieren. Zudem sei nicht auszuschließen, dass bisherige BSW-Wähler weiter zur AfD abwanderten.
Auch eine mögliche Koalition zwischen AfD und BSW hält Müller für möglich. Sahra Wagenknecht leite „die Öffnung in Richtung der AfD ein, zu einer gesichert rechtsextremistischen Partei“. Das BSW bewege sich „am Rande des demokratischen Spektrums“.
Statt starrer Abgrenzung plädiert Müller für einen flexibleren Umgang: keine AfD in Regierungsverantwortung, keine Koalitionen – aber offener Dialog, auch mit AfD-Wählern und Politikern der Partei. Viele AfD-Wähler seien „wütend, trotzig, enttäuscht“ und hätten das Vertrauen in die Demokratie verloren. „Da ist man im vorrationalen Raum. Hier helfen rationale Argumente, juristische Einstufungen, technische Begriffe nicht.“ Man mache den Fehler, Extremisten und Wähler in einen Topf zu werfen.
Die AfD als reines Ostproblem zu betrachten, warnte Müller, sei ein Irrtum. „Die AfD ist in Ostdeutschland schon jetzt eine rechtsextremistische Volkspartei, in Westdeutschland ist sie auf dem Weg dorthin.“
