„Es geht auch ohne mich“

Wolfgang Grupp spricht erstmals über Suizidversuch

22.03.2026 – 09:46 UhrLesedauer: 2 Min.

Wolfgang Grupp: Er ist der frühere Inhaber des Textil- und Bekleidungsunternehmens Trigema. (Quelle: Bernd Weißbrod)

Wolfgang Grupp stürzte nach der Übergabe seiner Firma in ein Loch, er versuchte, sich das Leben zu nehmen. Nun spricht er über seine Erfahrungen.

Der langjährige Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat sein erstes Interview seit seinem Selbstmordversuch im vergangenen Juni gegeben. Im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ berichtete er dabei von seinem aktuellen Zustand und warb einmal mehr für eine Zusammenarbeit mit der AfD.

Grupp betont, er müsse dazu stehen, dass er seinem Leben ein Ende setzen wollte. „Ich stand vor einer Leere. Ich habe gedacht, dass ich nicht mehr gebraucht werde, beziehungsweise dass ich nicht mehr wichtig bin“, berichtet er über die Zeit nach der Übergabe der Firma an seine Kinder.

Zwar gebe man ihm noch das Gefühl gebraucht zu werden, allerdings schränkt er ein: „Aber im Prinzip, da muss ich ehrlich sein, braucht man mich eventuell doch nicht mehr. Es geht auch ohne mich.“

Die Erkenntnis, dass das letzte Kapitel seines Lebens angebrochen sei, habe ihn depressiv gemacht, nachts konnte er nach eigenen Angaben nicht schlafen. Der Selbstmordversuch sei eine „Kurzschlussreaktion“ gewesen, „die ich nachträglich sehr bereut habe und sicherlich nicht wiederholen würde“. Mittlerweile leide er nicht mehr an Depressionen, er nehme nun jeden Tag eine Tablette.

Im Interview spricht Grupp auch über die aktuelle Politik und äußert sich zum Ausgang der Landtagswahl in seiner Heimat Baden-Württemberg. Es sei für ihn „unverständlich, dass die CDU nicht in der Lage war, ihren Vorsprung zu verteidigen“. Er selbst habe für die Christendemokraten gestimmt. In der Vergangenheit habe er auch den Grünen Winfried Kretschmann gewählt, da dieser auch ein CDU-Mann hätte sein können. Zu dessen Nachfolger Cem Özdemir könne er nichts sagen, „weil ich ihn kaum kenne“.

Zudem fordert Grupp, auch mit der AfD zu sprechen. Die Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, nicht mit der AfD zu reden, beurteilt Grupp als „nicht gut“. Er betont, er würde die AfD zwar nicht wählen, aber erklärt: „Es gibt bei der AfD vieles zu kritisieren, aber in einigen Punkten haben sie eben auch recht.“

Hinweis der Redaktion: Berichte über Suizide können wissenschaftlichen Studien zufolge Anreiz für Nachahmungen geben. Wir berichten daher nur dann über Selbsttötungen, wenn die Betroffenen besonders prominent oder die Begleitumstände außergewöhnlich sind. Falls Sie selbst viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.

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