Eva Maria Michelmann

Kölner Journalistin nach 95 Tagen in Damaskus aufgespürt

24.04.2026 – 03:10 UhrLesedauer: 2 Min.

Die Journalistin Eva Maria Michelmann aus Köln: Sie berichtete zuletzt aus Rojava. (Quelle: Antonius Michelmann)

Die Kölner Journalistin ist nach 95 Tagen Haft in Damaskus aufgetaucht. Ihr Gesundheitszustand gibt offenbar Anlass zur Sorge.

Für ihre Familie in Köln war es ein Warten ohne Gewissheit, fast 100 Tage lang. Nun ist klar: Die Kölner Journalistin Eva-Maria Michelmann lebt. Sie befindet sich in einer Haftanstalt in Damaskus und wurde dort am Donnerstag erstmals von einer Vertreterin der deutschen Botschaft besucht. Das teilte ihr Bruder Antonius Michelmann am Donnerstagnachmittag mit. Das Auswärtige Amt bestätigte den Vorgang, wie die „Zeit“ berichtet.

Ihr Bruder macht keinen Hehl aus seiner Wut: „Seit 95 Tagen befindet sich meine Schwester in Isolationshaft. Das ist Tatsache und Folter.“ Zugleich sei die Familie „unfassbar erleichtert, dass wir nun endlich absolute Gewissheit haben“. Er könne nicht nachvollziehen, wie die Bundesregierung mit einem Regime zusammenarbeiten könne, das eine deutsche Journalistin verschleppt habe und dies öffentlich leugne. Er fordert den sofortigen Zugang von unabhängigem medizinischen Personal, Anwälten und Familienangehörigen sowie die umgehende Freilassung seiner Schwester und ihres Kollegen Ahmet Polat.

Der Botschafts-Besuch bei Michelmann fand nicht ohne Auflagen statt: Syrisches Sicherheitspersonal war anwesend, wie Anwalt Roland Meister der „Zeit“ mitteilte, der die Familie vertritt. Dass es überhaupt zu diesem Kontakt kam, sei das Ergebnis anhaltenden diplomatischen Drucks gewesen. Michelmanns Gesundheitszustand sei angeschlagen, so Meister. Das Auswärtige Amt erklärte, man habe nach Bemühungen auf verschiedenen Kanälen, auch auf hochrangiger Ebene, Zugang erhalten und werde Michelmann nun weiter konsularisch betreuen.

Für Meister ist das ein überfälliger Schritt. Mehr als drei Monate sei Michelmann in Isolationshaft gewesen, ohne dass Angehörige, Anwälte oder die Botschaft Zugang gehabt hätten. Das Wiener Übereinkommen über konsularische Beziehungen garantiere deutschen Staatsbürgern genau dieses Recht. „Das ist grob menschenrechtswidriges Vorgehen“, sagte er.

Michelmann war seit 2022 in der kurdisch kontrollierten Region Nord- und Ostsyrien tätig und berichtete dort für prokurdische Medien. Zuletzt arbeitete sie laut Kollegen an einem Bericht über das Wiedererstarken des sogenannten Islamischen Staates. Am 18. Januar 2026 verliert sich ihre Spur in Rakka, gemeinsam mit ihrem kurdisch-türkischen Kollegen Ahmet Polat, bürgerlicher Name Mehmet Nizam Aslan. Als islamistische Milizen und Einheiten der syrischen Übergangsregierung in der Stadt kämpften, brachten sich beide Journalisten Augenzeugen zufolge in einem kurdischen Jugendzentrum in Sicherheit und tauchten danach nicht mehr auf.

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