Sogenannte „TikTok-Islamisten“ werden vorgestellt und vor laufenden Kameras auf der Straße konfrontiert. Doch das Treffen mit einem dieser Influencer endet ohne Erkenntnisgewinn. Auch als Julia Ruhs einen ganzen Einkaufswagen voller Lebensmittel aus Supermärkten präsentiert, die teilweise von Organisationen als „halal“ zertifiziert werden, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, bleibt die Sendung die Antwort schuldig, was das mit der Recherchethese zu tun hat.
Die Geschichte eines Realschullehrers aus Bonn, der seiner Klasse Karikaturen von „Charlie Hebdo“ zeigte und am nächsten Tag eine Drohung auf seiner Schultafel vorfand, ist da schon eindrücklicher. Rolf Haßelkus beschreibt, wie geschockt er von dem Satz „Auch dich kriegt der IS“ war: „Das hat mir zu denken gegeben und das machte mir auch Angst.“
Auch eine Muslima wird begleitet, die sich von ihrem fundamental geprägten Ehemann trennen will und massiv bedroht wird. Sie wird in der Sendung unkenntlich gemacht, erzählt anonym die Geschichte, wie sie vor einigen Jahren nach Deutschland kam und mit einem Mann verkuppelt wurde. Als sie schwanger wurde, trat er ihr in den Bauch. Sie wollte die Trennung, er warnte sie: Es werde „Fürchterliches“ passieren, wenn sie dies tue. Trotz Todesdrohungen sei der Mann bis heute nicht abgeschoben worden, berichtet „Klar“.
Die Islamismus-Expertin Gülden Hennemann sagt am Ende der Sendung, es bräuchte „einen sehr ehrlichen, offenen Diskurs“. Nur so könne „erstritten werden, wie wir eigentlich leben wollen“. Und Erhan Er, ein Überlebender des Anschlags in München, urteilt über den Attentäter: „Wegen solcher Menschen werde ich gehasst.“ Er sei selbst Muslim und der Meinung, „Religion dürfe nichts mit Terror zu tun haben“.
Neu mag diese Erkenntnis nicht sein, aber „Klar“ schafft es mit der Auswahl der Protagonisten, den Blick auf die Problemlage zu weiten. Ob das dezidiert konservative Format, das „Fehlentwicklungen in der Gesellschaft“ dokumentieren will, damit auf die eigene Zielgruppe einzahlt? Die ersten Reaktionen unter der bei YouTube veröffentlichten Folge sind überwiegend positiv: „Klasse, dass es das Thema so klar in den ÖRR schafft. Danke an das gesamte Team“, heißt es etwa in den Kommentaren. Und ein User ergänzt: „Wow, dass sich der BR traut, die Wahrheit auszusprechen und sogar einen Bericht darüber macht. Top!“
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