
Volkskrankheit ist schuld
Diese Menschen haben bei Infekten ein erhöhtes Sterberisiko
Aktualisiert am 10.02.2026 – 10:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine verbreitete chronische Krankheit begünstigt tödlich verlaufende Infektionen: Das belegt eine neue Studie. Was Betroffene für ihren Schutz unternehmen können.
Gängige Infektionskrankheiten – etwa Grippe, Covid, Magen-Darm- und Harnwegsinfekte oder Lungenentzündungen – sind nicht für jeden Menschen gleich gefährlich. Manche erholen sich rasch wieder davon, andere sterben daran. Das Risiko für einen schweren bis tödlichen Verlauf hängt von verschiedenen gesundheitlichen Voraussetzungen ab. Ein Faktor wurde bislang womöglich unterschätzt: das Körpergewicht.
Eine neue Studie legt nahe, dass fettleibige Menschen ein deutlich erhöhtes Risiko dafür haben, an Infektionen zu sterben. Von Fettleibigkeit oder Adipositas spricht man, wenn der Body-Mass-Index (BMI) 30 oder mehr beträgt. In Deutschland ist das bei fast 20 Prozent aller Erwachsenen der Fall. (Ihren BMI können Sie hier berechnen lassen.)
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Adipositas die Abwehrkräfte des Körpers gegen Infektionen schwächt und dadurch zu schwereren Krankheitsverläufen führt“, erklärt Studienautor Mika Kivimäki vom University College London (UCL). „Menschen stecken sich möglicherweise nicht leichter an, aber die Erholung von einer Infektion ist eindeutig schwieriger.“
Das Forschungsteam analysierte Gesundheitsdaten von mehr als 540.000 Frauen und Männern aus Großbritannien und Finnland. Diese hatten an großen Langzeitstudien teilgenommen, in denen ihre gesundheitliche Entwicklung über durchschnittlich 13 bis 14 Jahre beobachtet worden war.
Bei der Auswertung ging das Team in erster Linie drei Fragen nach: Wer war während des Untersuchungszeitraums wegen einer Infektion im Krankenhaus behandelt worden? Wer kam bei einer Infektionskrankheit ums Leben? Und wie standen die Todesfälle mit dem Körpergewicht der Betroffenen im Zusammenhang?
Es stellte sich heraus: Wer an Adipositas erkrankt war, hatte ein um 70 Prozent höheres Risiko, wegen einer Infektion ins Krankenhaus zu müssen oder daran zu sterben, als Normalgewichtige. Das Risiko stieg dabei nicht sprunghaft, sondern stetig an: Je höher der BMI, desto gefährlicher wurden Infektionen.
Insgesamt flossen Daten zu 925 verschiedenen ansteckenden Krankheiten in die Analyse ein – darunter bakterielle, virale, parasitäre und Pilzinfektionen. Dabei wurde klar, dass für adipöse Menschen viele gängige Infektionskrankheiten zur Gefahr werden können – etwa Grippe, Covid-19, Lungenentzündungen, Magen-Darm-Infekte (Gastroenteritis) sowie Harnwegsinfekte. Nur bei einzelnen Erkrankungen (etwa HIV und Tuberkulose) zeigte sich der Zusammenhang zwischen hohem BMI und schweren Verläufen nicht.