Schlusslicht kommt aus dem Norden
Umfrage: Menschen in Erfurt sind am glücklichsten
09.06.2026 – 07:52 UhrLesedauer: 2 Min.
Glücklich sind nicht unbedingt die Einwohner reicher Großstädte mit gut ausgebauter Infrastruktur. Auch das Gemeinschaftsgefühl macht viel aus.
In Erfurt leben einer Umfrage zufolge die glücklichsten Menschen in Deutschland. Wie aus dem am Dienstag veröffentlichten sogenannten SKL-Glücksatlas hervorgeht, führt Thüringens Landeshauptstadt bei der Lebenszufriedenheit die Rangliste der 40 größten deutschen Städte an. Im Vergleich zum Vorjahr rückten die Thüringer von Platz sechs ganz nach vorn, während der bisherige Spitzenreiter Kassel auf Rang 13 zurückfiel.
Auf einer Lebenszufriedenheitsskala von null bis zehn kommt Erfurt auf 7,74 Punkte. Es folgen Augsburg, Düsseldorf, Krefeld und Kiel. Auf dem letzten Platz landet erneut Rostock.
Für das Städteranking befragte das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) Einwohnerinnen und Einwohner von 40 Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern. Insgesamt nahmen zwischen Januar 2023 und April 2026 knapp 23.300 Menschen teil.
Erfurt punktet mit günstigen Mieten
Erfurt punktet der Studie zufolge mit vielen Vorzügen, etwa günstigen Mieten, hoher Umweltqualität und einer vergleichsweise guten wirtschaftlichen Lage. Zudem gibt es im ostdeutschen Vergleich dort den kleinsten Anteil an Alleinlebenden, auch die Zahl der Sozialhilfeempfänger gehört deutschlandweit zu den geringsten.
Wussten Sie, dass …?
Erfurt, erstmals 742 urkundlich erwähnt, ist eine der geschichtsträchtigsten Städte Deutschlands. Das Herzstück bildet die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Altstadt, die von beeindruckenden Kirchen und Fachwerkhäusern geprägt ist. Die Krämerbrücke ist die längste, vollständig bebaute und bewohnte Brücke Europas, die seit fast 900 Jahren die Gera überspannt. Der Dom und die Severikirche gelten als gotische Meisterwerke, die den Domplatz majestätisch überragen. Im Dom befindet sich zudem die Gloriosa, die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt.
Trotz Wohlstands, guter Infrastruktur und weiterer objektiver Faktoren der Lebensqualität schneiden hingegen Städte wie München oder Karlsruhe im Ranking unterdurchschnittlich ab – München etwa liegt auf Platz 25 im unteren Mittelfeld, Karlsruhe sogar nur auf dem viertletzten Rang. Erfurt hingegen rangiert bei den objektiven Faktoren nur auf Platz 27 und ist dennoch die glücklichste Stadt.
„Die materiellen Wohlstandsindikatoren erfassen das Lebensglück der Menschen nicht vollständig, auch immaterielle Faktoren wie das Gemeinschaftsgefühl und die persönliche Identifikation mit dem Wohnort spielen eine große Rolle“, erklärte Studienautor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg.
Insgesamt liegt die Lebenszufriedenheit in Deutschland bei durchschnittlich 7,02 Punkten, das sind 0,05 Punkte mehr als im Vorjahr. Im regionalen Vergleich sind die Einwohner westdeutscher Großstädte am zufriedensten. Mit Düsseldorf, Krefeld, Aachen, Mönchengladbach, Oberhausen und Duisburg gehören gleich sechs nordrhein-westfälische Kommunen bei der Lebenszufriedenheit zu den Top zehn.
Deutschlandweit sinkt zugleich der Anteil sehr unzufriedener Menschen. Gab vor zwei Jahren mit 10,6 Prozent noch gut jeder zehnte Befragte seine Lebenszufriedenheit auf der Skala mit null bis vier an, sind es inzwischen nur noch 8,6 Prozent.
